Die STIMME - 2006-4 - Winter

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Gemeindefahrt 2006

Von Moskau nach St.Petersburg

Angeregt wurde unsere Reise eigentlich durch einen kleinen Eintrag in unserem Internet-Gästebuch. Pfr. Achenbach, der mit seinem Heimatwohnsitz in unserer Kirchengemeinde wohnt, hatte uns aus seiner derzeitigen Gemeinde in St. Petersburg in einem Gruß geschrieben, daß er sich über einen Besuch freuen würde. Die Aussicht, einen persönlichen Eindruck von Russland mit seiner interessanten Kirchengeschichte zu bekommen, sowie der Gedanke, das wiederaufgebaute Bernsteinzimmer sehen zu können, taten ihr Übriges. Und so fand sich bald eine unerschütterliche kleine Gemeindegruppe für die Reise zusammen. Nach manchem Hin und Her, vielen Telefonaten und einigen Vorbereitungstreffen ging es endlich am Freitag, 19. Mai 2006, nach Russland.

Mit einem A-319 der Aeroflot flogen wir nachmittags von Frankfurt nach Moskau. Die Einreiseformalitäten ließen sich problemlos erledigen und unsere Reiseleiterin brachte uns per Bus zum Schiff. Das Gepäck stand gleich nach dem Einchecken in den Kabinen bereit; Abendessen war im Schiffsrestaurant gerichtet. Anschließend haben wir noch vom Oberdeck aus erwartungsvoll die Lichter der Stadt auf uns wirken lassen.

Am Samstagvormittag stand die Besichtigung des Moskauer Kreml auf dem Programm - die Hauptregenmenge der gesamten Reise inklusive. Doch schon nachmittags beim Einkaufsbummel rund um den Markt am Moskauer Passagierhafen lachte uns die Sonne. Abends bestaunten wir die berühmten, prachtvoll ausgestatteten Metro-Stationen bei einer U-Bahn-Fahrt im Moskauer Zentrum. Im Anschluss erlebten wir "Moskau bei Nacht".

Zwischen dem in der Abendbeleuchtung erstrahlenden Kaufhaus Gum und dem Lenin-Mausoleum spazierten wir über den Roten Platz zur Basilius-Kathedrale.

Mit dem Bus fuhren wir dann zur Aussichtsplattform auf den Sperlings-Bergen vor der Lomonossov-Universität. Die Eindrücke waren überwältigend.

Die Stadtrundfahrt am Sonntagmorgen zeigte uns alles noch einmal bei Tageslicht. Moskau hinterließ nochmals neue Eindrücke. In der Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale und der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale konnten wir jeweils eine kleine Weile der Feier der "heiligen Liturgie" beiwohnen. Da die Gottesdienste in der orthodoxen Kirche mehrere Stunden dauern, ist es auch für Gemeindeglieder durchaus üblich, nicht während der gesamten Dauer der Liturgie anwesend zu sein.

Beim anschließenden Mittagessen auf dem Schiff hieß es "Leinen los" zur Fahrt durch den Moskau-Wolga-Kanal mit den Schleusen nach Uglitsch, unserem ersten Etappenziel, das wir am nächsten Morgen erreichten.

In Uglitsch besichtigten wir die Dimitri-Blut-Kirche und die Christi-Verklärungs-Kathedrale und fuhren dann über Nacht weiter durch den Rybinsker Stausee nach Goritzy. Hier brachten uns Busse zur Besichtigung des Kyrillo-Beloserskij-Klosters.

Auf der Weiterfahrt nach Norden ließen wir auf dem Schiff die Weite des Landes auf uns wirken. Hier gab es keine Handy-Verbindungen mehr zum "Rest" der Welt.

Wir fuhren über den Weißen See und erlebten, wie die Horizontlinie zwischen Himmel und Wasser in einem Weißblau unerkennbar verschwand.

Am Mittwochnachmittag erreichten wir dann den nördlichsten Punkt unserer Reise, die Insel Kishi im Onegasee mit ihren einzigartigen in Holzbaukunst errichteten Kirchen.

Von hier aus ging es über Nacht durch den Onegasee zurück in die Swir nach Mandroga, einem speziell für Touristen - jedoch in wunderschöner traditioneller Holzbaukunst - errichteten Dorf. Die Handy's funktionierten zwar immer noch nicht, aber es gabt ein Internetkaffee mit einer langsamen, aber intakten Verbindung. Das Unterfangen, einen Gruß ins Internet-Gästebuch unserer Kirchengemeinde zu schreiben, war mit einer kyrillischen Tastatur ein Abenteuer, gelang letztendlich aber doch.

Auf der Weiterfahrt zum Ladogasee bestand wieder Mobilfunk-Verbindung. So konnten wir uns mit Pfr. Achenbach für Freitagabend verabreden. Ersteinmal aber fuhren wir in der Nacht weiter über die Neva und erreichen St.Petersburg in aller Frühe am Freitagmorgen.

Zunächst erhielten wir bei einer Stadtrundfahrt einen Überblick über die Besonderheiten der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten. Auch an Pfr. Achenbachs Petri-Kirche am Nevskij Prospekt fuhren wir vorbei. Nachmittags wagten wir dann die Fahrt in eigener Regie mit der U-Bahn.

Pfr. Achenbach empfing uns in der Petri-Kirche. Wir nahmen an der Wochenschlußandacht der Mitarbeiterschaft teil und wurden auch von Erzbischof Dr. Ratz begrüßt, der sich an diesem Tage im Hause aufhielt.
Anschließend gab uns Pfr. Achenbach, der hier den Amtstitel "Probst" führt, im Diakoniezentrum einen Einblick in die Gemeindearbeit und die Geschichte der ELKRAS (Evangelisch-Lutherische Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien).

Frau Achenbach überreichte uns Kerzen mit eingearbeitetem Knoten als Merkzeichen für unseren Gottesdienst in der Heimat, um den Anliegen der Petri-Gemeinde fürbittend zu gedenken.

Am Samstag war "Kultur" angesagt. Mit dem Bus ging es vormittags zu den Schätzen der Eremitage und am Nachmittag zum Katharinen-Palast mit dem legendären Bernsteinzimmer.

Am Abend schließlich endete unser Russlandprogramm mit dem Ballett Schwanensee im Palace-Theater.

Der Rückflug am Sonntag mit der Pulkuvo Ty-154 war ein Erlebnis besonderer Art.

Eine Woche nach unserer Rückkehr haben wir im Familiengottesdienst am Pfingstmontag in unserer Kirchengemeinde von der Begegnung mit der Petersburger Gemeinde berichtet und zum Zeichen der Verbundenheit eine der mitgebrachten "Knoten"-Kerzen angezündet.

Es war eine eindrucksvolle Reise mit einer harmonischen Gruppe, die Lust macht "auf mehr". Demzufolge haben wir uns bei unserem Nachtreffen entschieden, im Frühsommer 2008 nach Malta zu fahren und hier der auf kleinstem Raum konzentrierten Menschheits- und Kirchengeschichte des Mittelmeerraumes zu begegnen. - Pfr. H-D Brenner - (*/20060604)



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