Presse-Spiegel

zur Synode des Kirchenkreises Koblenz am 24. / 25.10.2008 in St. Goar


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Journalist Dieter Junker schreibt für die Rhein-Hunsrück-Zeitung :

Lebendiger Glaube prägte das Bild - Synode des Kirchenkreises Koblenz tagte zwei Tage lang in St. Goar

ST. GOAR. Es sind bewegte Zeiten für die Protestanten am Rhein und der Mosel, an der Ahr und in der Eifel. Veränderung der Pfarrstellenstrukturen, rückläufige Finanzen, Probleme beim Erhalt der Kirchen. Dennoch: Ein lebendiger Glaube und eine kreative Gestaltungskraft prägten das Bild bei der zweitägigen Synode des Kirchenkreises Koblenz in St. Goar.

Entwicklungen ändern sich schnell und wir müssen enorm flexibel sein, ohne den Kurs zu verlieren“, so Superintendent Dr. Markus Dröge in seinem Bericht vor der Synode. Dennoch war er sich sicher, „dass wir durchaus ein stabiles Schifflein haben, auf dem sich glauben, leben und arbeiten lässt.“

Entschieden sprach sich der Superintendent dafür aus, weiterhin die Schwachen in der Gesellschaft im Auge zu behalten. Dabei kritisierte er staatliche Pläne, Klagen am Sozialgericht gebührenpflichtig werden zu lassen, auch für Empfänger von Arbeitslosengeld. „Wenn es zu den Aufgaben des Staates gehört, dafür zu sorgen, dass gerade die finanziell Schwachen ihr Recht bekommen können, dann halte ich diesen Gesetzentwurf für skandalös“, betonte er unter dem Beifall der über 100 Synodalen in St. Goar.

Kritisch bewertete Superintendent Dröge die derzeitige Finanzkrise. Hier zeige sich, dass Fragen der Weltwirtschafts- und Finanzordnung auch kirchliche Fragen sind. „Jetzt wird deutlich, dass in der vergangenen Zeit Gewinne produziert wurden, denen keine entsprechenden Werte zugrunde liegen, dass mit Finanzen jongliert wurde, ohne sich auch nur ansatzweise um die Auswirkungen für das Leben von Mensch und Umwelt zu scheren“, so Dröge, der hofft, dass die jetzige Krise zu einem Umdenken Anlass gibt.

Doch auch die finanziellen Probleme der evangelischen Kirche spielten in St. Goar eine Rolle. Der Superintendent forderte die Gemeinden im Kirchenkreis auf, stärker eine regionale Zusammenarbeit zu suchen. „Tut Euch zusammen, man kann dabei nur gewinnen“, so Dröge. Wichtig sei daneben auch die Stärkung des Ehrenamtes wie auch die Suche nach neuen Finanzquellen. „Hier gibt es viele gute Ansätze in einzelnen Kirchengemeinden, die zeigen, was möglich ist“, so der Superintendent.

So verwies der Superintendent auf die Finanzierung zweier Jugendleiterstellen in Bendorf oder die Spendenbereitschaft vieler Menschen für die Jugendpastorstelle in Cochem. In Koblenz-Pfaffendorf hat sich eine Gruppe von Ehrenamtlichen vor allem Frauen zwischen 50 und 60 Jahren zugewandt, in Koblenz-Karthause wurde in der Jugendarbeit die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt.

Auf der anderen Seite haben Gemeinde Probleme mit ihren Gebäuden, die viel Geld kosten. Geld, das bei den Gemeinden immer weniger wird. Um die Zukunft ganzer Gemeindezentren geht es in Koblenz-Mitte, Cochem, Andernach und Remagen-Sinzig. Bad Neuenahr hat eine neue Konzeption für ihre Gebäude entwickelt, schwierig gestaltet sich die Zukunft der Pfaffendorfer Kirche, die nun eine Grundsicherung erfahren soll und dafür auch einen Zuschuss des Kirchenkreises erhält.

Zusammenarbeit soll es aber auch mit anderen Kirchenkreisen geben. So sprach sich der Kirchenkreis Koblenz für einen Trägerverbund der Diakonie der acht südrheinischen Kirchenkreise in Rheinland-Pfalz aus, ebenso soll das Diakonische Bildungszentrum Mittelrhein-Mosel gestärkt werden, um die Aus- und Fortbildung von Mitarbeitern in diakonischen Einrichtungen zu sichern. Ebenso wurde die Kooperation des Kirchenkreises Koblenz mit dem Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd, bisher auf zwei Jahre angelegt, unbefristet fortgesetzt.

Bildung ist das Schwerpunktthema im nächsten Jahr. Auf der Synode wurde ein Impulspapier vorgestellt, wie in den Gemeinden und Einrichtungen dazu gearbeitet werden kann. Auf der nächsten Herbstsynode 2009 ist dies dann das zentrale Thema.

Auf der Synode wurde auch gewählt. So wurde Pfarrerin Birgit Becker (Bacharach-Steg), die bisherige Skriba, neue Synodalassessorin und damit Nachfolgerin von Hans-Joachim Hermes, der seit acht Jahren Stellvertreter des Superintendenten war und in St. Goar nicht mehr kandidierte. Sie setzte sich in einer Kampfabstimmung in drei Wahlgängen gegen Gerd Götz (Vallendar) und Michael Schankweiler-Schell (Oberwinter) durch. Als Nachfolger von Birgit Becker als Skriba wählte die Synode den Schulreferenten des Kirchenkreises Koblenz, Pfarrer Dr. Rainer Möller (Winningen). Im seinem Amt als Synodalältester bestätigten die Synodalen Rüdiger Lancelle (Cochem), der bereits seit 1973 dem Kreissynodalvorstand angehört. Neu in den Kreissynodalvorstand gewählt wurde Uwe Schikorr (Emmelshausen-Pfalzfeld), der Heidemarie Falkenberg (Remagen-Sinzig) nachfolgte, die nicht mehr antrat. - Dieter Junker


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Pfr'in i.S. Karin Püschel schreibt für den Materialdienst der Gemeindebriefe im Kirchenkreis Koblenz :

Kreissynode Koblenz hat in St. Goar getagt - Trotz Turbolenzen ein stabiles Schiff, "auf dem sich glauben, leben und arbeiten lässt"

ST. GOAR. Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz hat am 24. und 25. Oktober in der Rheinfels-Halle St. Goar getagt. Zum Auftakt seines Jahresberichtes vor knapp 120 Delegierten äußerte sich Superintendent Dr. Markus Dröge zum auch innerkirchlich spürbaren scharfen Wind der Ökonomisierung aller Lebensbereiche: "Wir müssen enorm flexibel sein, ohne den Kurs zu verlieren." Dennoch sei er überzeugt, „dass wir durchaus ein stabiles Schifflein haben, auf dem sich glauben, leben und arbeiten lässt.“

Der höchste Repräsentant von 86.000 Protestanten im nördlichen Rheinland-Pfalz sprach sich außerdem entschieden dafür aus, weiterhin die Schwachen in der Gesellschaft im Blick zu behalten: "Von unserem Verständnis als Kirche her ist jede diakonische Beratung eines Ratsuchenden ein Ort, an dem die Menschenwürde neu entdeckt und gestärkt werden kann und muss. Denn diese Menschenwürde wird, oft unbemerkt, mitten unter uns, sehr strapaziert." Er halte es zum Beispiel für nicht verantwortbar, "wenn verlangt wird, dass Hartz-IV-Empfänger in preisgünstigere Wohnungen ziehen, die es aber bei uns gar nicht gibt, und wenn sie dann regelmäßig von dem Geld, das für den Lebensunterhalt, für Schulmaterialien der Kinder oder für Kleidung berechnet ist, Mittel für die Miete drauflegen müssen."

Für erschreckend halte er die Diskussion, die vor kurzem durch die Presse ging, wonach zukünftig eine Klage am Sozialgericht mit 75 Euro gebührenpflichtig werden solle. Dies sähe offenbar ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vor. Dazu der Superintendent: "Wenn dies käme, würde es für Hartz-IV-Empfänger bedeuten, dass sie es sich buchstäblich vom Munde absparen müssten, ihr Recht zu bekommen." Sein Dank gelte in diesem Zusammenhang dem Leiter der Arbeitsagentur Koblenz. Dieser habe darauf hingewiesen, wie wichtig es wegen der Gleichheit vor dem Gesetz sei, dass Hartz-IV-Empfängern der Rechtsweg ohne Hürden offen bleibt. Dass das Klagen notwendig sei, zeige die Tatsache, dass immerhin 30 Prozent der Klagen von Hartz-IV-Empfängern erfolgreich seien. Dröge: "Wenn es zu den vornehmen hoheitlichen Aufgaben des Staates gehört, dafür zu sorgen, dass gerade die finanziell Schwachen ihr Recht bekommen können, dann kann das Prozessrisiko nicht auf die Hartz-IV-Empfänger abgewälzt werden. Insofern halte ich den Gesetzesentwurf für skandalös."

Kritisch bewertete Superintendent Dröge auch die derzeitige Finanzkrise: „Jetzt wird deutlich, dass in der vergangenen Zeit Gewinne produziert wurden, denen keine entsprechenden Werte zugrunde liegen, dass mit Finanzen jongliert wurde, ohne sich auch nur ansatzweise um die Auswirkungen für das Leben von Mensch und Umwelt zu scheren“, so Dröge. Die Landessynode 2008 hatte eine Erklärung mit dem Titel „Wirtschaften für das Leben“ verabschiedet. In ihr ist die grundsätzliche These formuliert, dass die Wirtschaft dem Leben dienen müsse, nicht das gesamte Leben der Optimierung von Wirtschaftsprozessen. Erst jetzt werde wirklich klar, "dass Fragen der Weltwirtschafts- und Finanzordnung auch unsere Fragen sind." Es sei sehr zu wünschen, "dass die jetzige Krise zu einem Umdenken Anlass gibt; dass jetzt nicht nur die Finanzblasen platzen, sondern auch die Ideologieblasen, die uns einreden wollen: Leben gibt es nur im wirtschaftlichen Kampf aller gegen alle."

Das Impulspapier "Bildung ist mehr…" als Jahresthema 2009 für die Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises hat Dr. Rainer Möller am Samstag eingebracht. Das Thema stehe "zurzeit hoch im Kurs", so der Schulreferent. "Von der Bundskanzlerin über die Medien bis zu Wirtschaftsverbänden – alle drängt es zur Bildung als einem vermeintlichen Schicksalsthema unserer Zeit." Bildung aus evangelischer Perspektive sei mehr als das "Fitmachen für den Arbeitsmarkt". Kirche sei die einzige gesellschaftliche Institution, in der Bildung lebenslang und den ganzen Menschen betreffend eine Rolle spiele, so Möller. Anders als der gerade erst von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einberufene Bildungsgipfel, der nach nur einem Nachmittag "letztlich substanzlos und im Ergebnis mager" geblieben sei, gehe es für den Kirchenkreis Koblenz in den kommenden zwölf Monaten darum, sich mit dem zugrunde liegenden christlichen Menschenbild von Bildung auseinanderzusetzen und zur Herbstsynode 2009 mit einer "Bildungslandkarte" transparent zu machen, in welchem Maße Gemeinden, Kindertagesstätten, Jugendarbeit, Schulen, Erwachsenenbildung und andere kirchliche Arbeitsbereiche dieses Thema profiliert protestantisch mit Leben füllen.

Einstimmig hat sich die Synode Koblenz als erste aus insgesamt acht rheinland-pfälzischen Kirchenkreisen der EKiR entschlossen, dem neu einzurichtenden "Trägerverbund der Diakonie der Kirchenkreise in Rheinland-Pfalz" beizutreten. "Wir müssen die Zusammenarbeit der Kirchenkreise im Süden der rheinischen Landeskirche besser organisieren", so Superintendent Dr. Markus Dröge. Ziel sei es, zukünftig mit einer Stimme gegenüber dem Land und der Landeskirche auftreten zu können. Themenbereiche der Diakonie sollen zukünftig besser koordiniert werden. So sieht die Satzung des Trägerverbundes vor, für die Arbeitsbereiche Betreuungsfragen, Suchtberatung, Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung, Schuldnerberatung, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Migration, Kindertagesstätten und diakonisch-häusliche Pflege für jeweils vier Jahre eine fachlich zuständige Person aus den kreiskirchlichen Diakonischen Werken zu benennen. Ihre Aufgabe sei es dann, fachliche Stellungnahmen intern vorzubereiten und nach außen verbindlich abzugeben.

Zur Synodalassessorin für die nächsten acht Jahre ist Pfarrerin Birgit Becker aus der Kirchengemeinde Bacharach-Steeg gewählt worden. Sie tritt die Nachfolge von Pfarrer Hans-Joachim Hermes aus Koblenz-Mitte an, der nach 16 Jahren im Kreissynodalvorstand und acht Jahren im Amt des stellvertretenden Superintendenten nicht erneut kandidiert hat. Die 42-jährige Theologin geht von Januar bis Dezember 2009 in ein so genanntes Sabbatjahr und wird während dieser Zeit vom ebenfalls neu gewählten Skriba, Dr. Rainer Möller, vertreten.

Wieder eingerichtet hat die Synode mit breiter Mehrheit eine Beauftragung für die Beratung von Kriegsdienstverweigerern (ehemals "Beratung Wehrpflichtiger"). Angesichts der Beteiligung deutscher Soldaten an Auslandseinsätzen der Bundeswehr sei es dringend erforderlich, persönliche Beratungsgespräche bei Gewissenskonflikten, Begleitung zu Anhörungen und bei Verfahren zur Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer anzubieten. Berufen sind Rüdiger Lancelle (Cochem) Pfarrer Friedemann Schmidt (Standortpfarrer Büchel) und Militärdekan Karsten Wächter (Militärdekan Koblenz).

Nach zweijähriger Probezeit wurde jetzt die unbefristete Mitgliedschaft im Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd (eeb) mit Sitz in Simmern beschlossen. Stelleninhaberin Pfarrerin Margit Büttner bleibt mit ihrem Büro der Außenstelle Koblenz im Kirchenkreis präsent.

Heidemarie Falkenberg hat als Vorsitzende des kreiskirchlichen Finanzausschusses den Haushalts- und Stellenplan 2009 vorgestellt. Der Haushalt sei "ausgeglichen, stabil und solide" und beläuft sich in Einnahmen und Ausgaben auf ein Gesamtvolumen von 4.552.405,- Euro. Trotz weiterhin strengen Sparkurses sei es gelungen, die lange vakante Kreiskantorenstelle mit einem Dienstumfang von 25 Prozent und die kreiskirchliche Öffentlichkeitsarbeit mit einem Dienstumfang von 50 Prozent neu in den Haushalt 2009 einzustellen.

Ferner hat die Kreissynode Koblenz beschlossen, die Einrichtung einer geregelten Pfarrvertretung in der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) als Beschlussvorlage bei der Landessynode im Januar 2009 in Bad Neuenahr einzubringen.

Grußworte zur Synode sprachen Gemeindeleiter Wilfried Reuther von der Freien Evangelischen Gemeinde St. Goar und Werlau, die Kreisabgeordnete Gerda Brager und der Stadtbürgermeister von St. Goar, Walter Mallmann.

Die nächste Kreissynode findet statt am Freitag, dem 5. Juni 2009 im Soldaten-freizeitheim Horchheimer Höhe in Koblenz. Schwerpunktthema ist die Pfarrstellen-konzeption des Kirchenkreises.

Im Bild: Wollen das regionale Kirchenschiff in den kommenden Jahren auf Kurs halten (von links): Rüdiger Lancelle (1. Synodalältester, Cochem), Pfarrer Dr. Markus Dröge (Superintendent, Koblenz-Mitte), Pfarrer Ingo Schrooten (2. Stellvertreter Skriba, Maifeld); Pfarrerin Birgit Becker (Synodalassessorin, Bacharach-Steeg), Jürgen Hein (Vertreter 1. Synodalältester, St. Goar), Martina Klawonn (3. Synodalälteste, Emmelshausen-Pfalzfeld), Manfred Knieling (Vertreter 2. Synodalältester, Koblenz-Pfaffendorf), Uwe Schikorr (4. Synodalältester, Emmelshausen-Pfalzfeld), Pfarrerin Elke Smidt-Kulla (1. Vertreterin Skriba, Bad Neuenahr), Hans Carstensen (Vertreter 4. Synodalältester, Koblenz-Pfaffendorf), Pfarrer Dr. Rainer Möller (Skriba, Winningen). Nicht im Bild: Harald Kruse (2. Synodalältester, Urmitz-Mülheim) und Jutta Deimel (Vertreterin 3. Synodalälteste, Oberwinter).

Nicht erneut kandidiert haben Pfarrer Hans-Joachim Hermes (Koblenz-Mitte), Heidemarie Falkenberg (Remagen-Sinzig), Pfarrer Reinhold Heinemann (Plaidt), Dr. Tilman Koops (Urmitz-Mülheim) und Helga Nitsch (Koblenz-Mitte). - Text und Foto: Katrin Püschel


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Pfr. Hans-Dieter Brenner schreibt den Bildbericht im Internetportal der Evangelischen Kirchengemeinde St. Goar - (HDB)



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