Hervorragende Theaterinszenierung der Werlauer Laienschauspieler war ein Höhenflug an Spielbegeisterung

ST. GOAR-WERLAU. Ensemble bot turbulente Verwechslungskomödie „Airport Sturzflug 19 Uhr 05“ – Zurücklehnen und das Chaos im Airport Sturzflug erleben – Vier Vorstellungen vor ausverkauftem Haus

Mit der Verwechslungskomödie „Airport Sturzflug 19 Uhr 05“ von Horst Helfrich präsentierte die Laienspielgruppe der Heimatfreunde Werlau e. V. ein köstliches Stück, das dem Publikum prächtig gefiel. Die Werlauer Theatergruppe setzte mit dieser neuesten Produktion die eigenen Erfolge der letzten Jahre fort und landete einen weiteren Volltreffer. Reger Szenenapplaus, laute Lacher und lang anhaltende Beifallsstürme zum Schluss - derart begeistert zeigten sich die Zuschauer - darunter Pfarrer Brenner, Pfarrer Krammes, Verbandsbürgermeister Bungert, Bürgermeister Mallmann und die Ortsvorsteher Vogt und Hubrath - bei der neuesten Inszenierung des Werlauer Theaterensembles im bis auf den letzten Platz gefüllten evangelischen Gemeindehaus.

Bei den Begrüßungen zu den vier Vorstellungen bezog Regisseur Herbert Merten alle Zuschauer in das Theaterstück mit ein, indem er sie bat, die Statistenrolle als Fluggäste zu übernehmen und sich von den turbulenten Geschehnissen einfach mitreißen zu lassen. Die Zuschauer ließen sich nicht zweimal bitten.

Es ist ein Service der Schellfisch-Sternschnuppen-Airlines GmbH AG und Co. KG, dass sie Fluggäste in der Abfertigungshalle des Airports Sturzflug zusammenführt, die sich auf Grund geschäftlicher, privater, oder sonstiger Verabredungen treffen wollen. Es handelt sich dabei um Kunden, die sich nur vom Telefon oder von E-Mails her kennen. Mit Hilfe des Computers terminieren die beiden Hostessen Annette Motz und Cilli Wunderlich vom Bodenpersonal das Eintreffen und Abholen der Fluggäste. Auch wenn das oft gut geht, in dieser Komödie treffen natürlich nie die Personen zusammen, die sich finden wollen.

Wie im wahren Leben entstehen dabei genau die Situationen, die einem als Außenstehenden größten Spaß vermitteln. Während wir in der Realität Mitleid mit den Betroffenen haben, im Theater können wir uns köstlich über die Akteure amüsieren.

So will zum Beispiel Pfarrer Laubmann seine neue Kantorin Magdalena Rosen abholen, wird aber mit dem Fotomodell Dixie zusammengeführt und der Starfotograf Hajo Lutz wundert sich über die Zugeknöpftheit seines angeblichen Fotomodells, das ständig Orgel spielen möchte. Dazwischen taucht immer wieder Dessous-Vertreter Goldschmidt auf, der sich in die Flugbegleiterin Eva Schneemann verliebt hat und nicht weiß, das die hübsche Dame eine Doppelrolle spielt, indem sie sich abwechselnd als ihre eigene Zwillingsschwester Mia Schneemann ausgibt. Heiratsschwindler Dr. Oskar Schönbrod nervt ständig die holde Weiblichkeit mit der lapidaren Frage: „Haben sie Sparbücher?“ Dabei geht ihm sein Opfer Gräfin Melissa von Hartwig unbewusst durch die Lappen, und er kommt zufällig mit der Mutter des Flugkapitäns in Verbindung. Ein frisch vermähltes Ehepaar verliert sich aus den Augen und fliegt ständig hin und her, um sich wieder zu treffen.

In diesem Durcheinander singt Ordensschwester Bette passende Lieder und die Reinemachefrau, Frau Mackebrecht, versucht die Flugzeiten zu ändern, damit keine Verspätungen zu verzeichnen sind. „Es läuft nicht, es fliegt“, so lautete die ständige Redensart des Herrn Direktor Bold. Er hatte Recht, es lief wirklich nichts, zumindest, was die Verabredungen auf dem Flughafen anbetraf.

Das Stück strotzte nur so von Verwechslungen und Verwirrungen. Immer, wenn man als Zuschauer dachte, jetzt, jetzt klärt sich's auf, dann gab es prompt noch eine Steigerung. Man merkte förmlich, wie es den Schauspielern Spaß machte, die Zuschauer zu verwirren. Alle Darsteller drückten eine enorme Spielfreude aus, so dass der Funke in jeder Aufführung auf das Publikum übersprang.

Wer aber gedacht hatte, es gäbe ein richtiges Happyend in diesem Stück, der wartete umsonst. Annette Motz bekam nicht ihren Flugkapitän Seibold. Dr. Oskar Schönbrod heiratete nicht die reiche Gräfin Melissa von Hartwig. Die Flugbegleiterin Eva, alias Mia, führte den Herrn Goldschmidt leider nur an der Nase herum. Die Kantorin Magdalena Rosen mutierte zum Fotomodell und blieb auch dabei. Das Fotomodell Dixie hingegen wurde zu einer ganz braven Mitarbeiterin der Kirche. So kann es gehen! Lediglich das jungvermählte Paar fand endlich zueinander und konnte seine Hochzeitsreise antreten. Am Schluss der Komödie folgte trotz des hellen Wahnsinns für den Zuschauer auf dem irrsinnigen Airport Sturzflug ein glückliches Ende.

Ein sehr vergnügliches Stück voller Turbulenzen, bei dem wohl die Putzfrau Mackebrecht von Anfang an den besten Durchblick hatte. Großer Beifall war nach allen vier Aufführungen der Lohn.

Die Darsteller auf und hinter der Bühne waren: David Flauger als Flugkapitän Erik Seibold, Silke Merten als Annette Motz vom Bodenpersonal, Andrea Vosshage als Cilli Wunderlich vom Bodenpersonal, Lotti Vosshage als Reinemachefrau Mackebrecht, Mareike Hubrath als Flugbegleiterin Eva Schneemann, Nicole Scherer als Krankenschwester Walburgis, Jürgen Bumke als Direktor Bodo Bold, Günther Theisges als Pfarrer Laubmann, Christina Jakobi als Kantorin Magdalena Rosen, Helmut Börsch als Fotograf Hajo Lutz, Tina Kolle als Fotomodel Dixie, Monika Groth als Braut Gabriele Wernicke, Tobias Langshausen als Bräutigam Thomas Wernicke, Ui Michel als Heiratsschwindler Dr. Oskar Schönbrod, Antje Thieme als Gräfin Melissa von Hartwig, Dieter Langenbach als Dessous-Vertreter Goldschmidt, Marlene Spriestersbach als Katharina Seibold – Mutter des Flugkapitäns, Julia Maron als Ordensschwester Bette, Eva-Maria Goedert als Hiltrud Schölten – Goldschmidts Freundin.

Die weiteren Verantwortlichen – Regie: Herbert Merten, Souffleusen: Manuela Bleith und Jutta Vogt, Bühnenbild: Herbert Merten, Günther Theisges und Wolfgang Scherer, Licht- und Tontechnik: Sven Spriestersbach.

Die Theatergruppe der Heimatfreunde Werlau spielte viermal vor ausverkauftem Haus die kurzweilige Verwechslungskomödie „Airport Sturzflug 19 Uhr 05“ und wurde von den Zuschauern aus nah und fern stürmisch gefeiert. - Klaus Brademann



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