Weltgebetstag am 6. März 2009

Der Weltgebetstag der Frauen ist das größte und dichteste ökumenische Netz. Jedes Jahr am ersten Freitag im Monat März finden sich in über 170 Ländern Frauen und Männer aller Konfessionen zusammen, um die Situation der Frauen in jeweils einem besonderen Land zu bedenken.
„Viele sind wir, doch ein in Christus“ – unter diesem Thema haben die Frauen aus Papua-Neuguinea, ein Inselstaat im Pazifischen Ozean, die diesjährige Liturgie zusammengestellt.

Der seit 1975 unabhängige Staat Papua Neuguinea ist der östliche Teil der Insel Neuguineas, der zweitgrößten Insel der Welt, und liegt 160 km nördlich von Australien. Rund 85 % der Hauptinsel sind mit tropischen Regenwäldern bedeckt, und Reichtum und Vielfalt an Tieren und Pflanzen zeichnen das Land aus.
In Papua-Neuguinea leben ca. 6,3 Millionen Menschen. Es gibt 800 Sprachen. Verkehrssprache ist Tok Pisin, etwa ein Drittel der Bevölkerung spricht Englisch. Die Staatsform ist eine konstitutionelle Monarchie – vertreten durch den Generalgouverneur. Von 1989 bis 1998 tobte auf der größten Insel des Landes, Bougainville, ein Bürgerkrieg. Diesem Krieg sind fast 20 000 Menschen zum Opfer gefallen. Formell herrscht Frieden, doch die Menschen leben in Angst vor einem erneuten Aufflammen des Konflikts. Zu den Kriegsfolgen gehört auch eine erhöhte Gewaltbereitschaft, die sich durch Gewalt in der Familie und vor allem gegen Frauen ausdrückt.

Am 6. März 2009 feierten Frauen der Evangelischen, der Freien evangelischen und der Katholischen Kirchengemeinde St. Goar einen gemeinsamen Gottesdienst in der Krypta der Stiftskirche.

Viele sind wir, doch eins in Christus“ – mit dem Motto des diesjährigen Weltgebetstages nahmen uns die Frauen aus Papua Neuguinea in ihren Liedern, Texten und Gebeten hinein in ihre christlichen Traditionen.

Das Vorbereitungsteam unter der Leitung von Gudrun Kroll hatte die Krypta geschmückt mit Symbolen aus Papua Neuguinea: der Flagge des Landes und dem Bilum, der traditionellen, von Frauen hergestellten Netztasche, aufgehängt an einem einfachen Kreuz.

Mit dem Willkommensgruß in Englisch und in der Landessprache Tok Pisin wurden die Gottesdienstbesucherinnen begrüßt. Die Liedgesänge begleitete Gudrun Kroll auf der Flöte. Nach dem Liedruf „Wir sind Schwestern und Brüder“ folgte der erste Teil der Lesung nach Römer 12, Verse 4-13. Das Dankgebet endete mit dem Lied „Wir sind einig in Christus …“. Es schloss sich der zweite Teil der Lesung nach Römer 12, Verse 14-21 an. Nach dem Schuldbekenntnis und der Bitte um Vergebung sangen die Frauen das Lied „Halt uns zusammen Gott“, dabei hakten sie sich unter und symbolisierten damit den Zusammenhalt.

Es folgte die pantomimische Darstellung der Geschichte von der Aussetzung und Auffindung Moses (Exodus 2, 1-10). Dann wurde anhand von vier Beispielen von Frauen aus Papua Neuguinea berichtet, wie sie über Grenzen hinweg für das Wohl der Gemeinschaft zusammengearbeitet haben. Nach einer weiteren Lesung aus dem 4. Kapitel der Apostelgeschichte sangen alle gemeinsam den Kanon „Schalom chaverin“ aus Israel, den die Frauen des Weltgebetstagsteams tänzerisch darstellten. In ihrer Predigt verdeutlichte Astrid Stockter, dass Christus die Mitte und die Kraft ist. Wie die Sonne die Mitte des Universums ist, so ist Christus eine Kraftquelle, die uns Orientierung gibt, dass wir nicht aus der Bahn geworfen werden. Die Gemeinschaft untereinander ist dadurch möglich. Nach der Fürbitte, dem Vaterunser und dem Segen sang die Gemeinde das Lied „Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder“.
Die Kollekte aus diesem Gottesdienst wird für verschiedene Projekte verwandt. Es sollen z. B. Frauen unterstützt werden, in ihrem Bemühen sich selbst zu helfen. Gemeinsam mit „Brot für die Welt“ unterstützt der Weltgebetstag das „Bougainville Inter Church Women´s Forum“, ein ökumenisches Frauenforum, das 1996 aus einer Initiative kirchlich engagierter Frauen hervorging, die sich auf der vom Bürgerkrieg gezeichneten Insel für eine friedliche Lösung des Konflikts einsetzten. Das Forum setzt sich ein für die Alphabetisierung der Menschen in Bougainville sowie die Ausbildung von Frauen, damit ihre Rolle in der Gesellschaft gezielt gestärkt wird.

Wir leben in einer Welt als Geschwister. Wir teilen unsere Sorgen, stehen füreinander ein im Beten, und wir versuchen, auch unsere materiellen Güter miteinander zu teilen.

Nach dem Gottesdienst lud das Vorbereitungsteam in das evangelische Gemeindehaus in St. Goar ein. Hier waren die Tische liebevoll dekoriert, und bei Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen hatten die zahlreichen Gottesdienstbesucherinnen Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. - (jt)



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