Weltgebetstag der Frauen 2011

Am ersten Freitag im März feiern christliche Frauen aus aller Welt in über 170 Ländern einen ökumenischen Gottesdienst zum Weltgebetstag. Lieder und Gebete dieses Gottesdienstes werden in jedem Jahr von Frauen eines anderen Landes vorbereitet: 2011 von den Frauen aus Chile.

Am 4. März 2011 luden Frauen der Katholischen, der Freien evangelischen und der Evangelischen Kirchengemeinde St. Goar zu einem gemeinsamen Gottesdienst in die katholische Pfarrkirche nach St. Goar ein.

Das Titelbild zum diesjährigen Weltgebetstag hat die 77jährige chilenische Bäuerin Norma Ulloa gestickt. Sie verbindet in diesem Bild biblische Wundererzählungen und Alltagsszenen im bäuerlichen Leben Chiles.

Wie viele Brote habt ihr?“ fragte Jesus seine Jünger, die ratlos vor den 5000 Hungrigen standen und ermutigte sie zum Teilen der wenigen Brotvorräte. Und alle wurden satt. Diese Geschichte aus dem Markus-Evangelium stellten die Frauen in den Mittelpunkt des Gottesdienstes. Das schwere Erdbeben, das Chile im Februar 2010 erschütterte, hat den Menschen vor Augen geführt: Wir müssen das, was wir haben, teilen. Das solidarische Teilen begegnet einem in diesem Weltgebetstagsgottesdienst immer wieder: In den Bibellesungen zur Witwe von Sarepta (1. Könige 17) und im Wunder der Brotvermehrung (Markus 6, 30-44), in der Landesgeschichte und der symbolischen Handlung des Brotteilens.

In weiteren Lesungen, Fürbitten und Gebeten machten die Frauen deutlich, dass Chile ein Land voller extremer Gegensätze ist. Auf der einen Seite diejenigen, die am Reichtum Anteil haben und auf der anderen Seite die, die um das tägliche Überleben kämpfen müssen, wie die Angehörigen der indigenen Bevölkerung, die bis heute um ihre Rechte kämpfen. Doch es gibt auch Hoffnungsgeschichten: Im Verlauf des Gottesdienst wurde deutlich, dass sich die Chilenen aber auch immer wieder für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität eingesetzt haben, besonders in den Zeiten der Militärdiktatur unter Pinochet zwischen 1973 und 1990. Menschen waren unter schwierigen Bedingungen gastfreundlich und haben sich gegenseitig unterstützt. Von diesen Erfahrungen können wir auch heute lernen.

Mit der Kollekte aus den Weltgebetstagsgottesdiensten werden Projekte aus der ganzen Welt gefördert, so auch in Chile. Ein Projekt ist darunter, dass die Mapuche, eine der indigenen Bevölkerungsgruppen, unterstützt und berät, zum Beispiel in landwirtschaftlichen und sozialen Fragen aber auch in der Wiederbelebung ihrer kulturellen Werte. Die Frauen stellen mit einfachen Mitteln Arzneimittel wie Tropfen, Sirup oder Salben auf Heilkräuterbasis her und vermarkten sie .Mit Hilfe ihres traditionellen Wissens eröffnen sie sich so ganz neue Einkommensquellen. Das Heilkräuterprogramm ist auch eine Antwort auf das Versagen der staatlichen Gesundheitsprogramme, die für viele Menschen in Chile praktisch unerschwinglich sind.

Im Jahr 2012 kommt die Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag aus Malaysia. Die Frauen der Evangelischen Kirchengemeinde St. Goar werden dann zusammen mit ihren katholischen Mitschwestern und den Frauen der Freien evangelischen Gemeinde aus Werlau den Gottesdienst ausrichten. - (Quelle: Deutsches Weltgebetstagskomitee e. V.) - (JT)



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