Sanierungsarbeiten

am Turm der St. Goarer Stiftskirche

Die Veränderung im St. Goarer Stadtbild springt sofort ins Auge. Anfang April 2011 wurde ein Gerüst um den Turm der Stiftskirche gebaut.

Der "Zahn der Zeit" hat die Turmabdeckung am Hauptturm der Stiftskirche inzwischen soweit abgenagt, das nun kein Weg mehr an einer Sanierung vorbeiführt, wenn irreversible Schäden abgewendet werden sollen. Dazu müssen erhebliche Finanzmittel bereitgestellt werden, die im Umfang von 200.000 € die Finanzkraft unserer Kirchengemeinde bei weitem übersteigen. Dankenswerter Weise ist es möglich, mit Hilfe von verschiedenen Zuschüssen das Projekt durchzuführen. Zur Vorbereitung der Arbeiten ist ein umfangreiches Gerüst erforderlich.

Der Bauausschuss der Evangelischen Kirchengemeinde St. Goar nimmt mit Architekt und Handwerkern einen Pressetermin zum Anlass, die Schäden am Turmdach noch einmal in Augenschein zu nehmen.

Im Laufe der Zeit hat manch Einer in den Dachschindeln sein Signet hinterlassen. Dabei finden sich sowohl Einträge von Konfirmanden, die es bei einer Kirchenbesichtigung bis auf den Turm geschafft haben, als auch Inschriften historischer Persönlichkeiten.

So hat z. B. auch der aus Köln stammende Maler Anton Bardenhewer einen "Eintrag" hinterlassen, der 1906/07 in Inneren der Kirche mit der Freilegung und anschließenden Restaurierung an den mittelalterlichen, in Secco-Technik ausgeführten Wandmalereien von vor 1603 betraut war, nachdem im Jahre 1905/06 der Maler Will aus Rheinböllen kleinere Freilegungsarbeiten ausgeführt hatte. (- cf.: Exkurs - Die Wandmalereien in der Kirche, S. 12 in: "Die Inschriften der Evangelischen Stiftskirche St. Goar, bearbeitet von Susanne Kern in Inschriften Mittelrhein-Hunsrück", Heft 6. Herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V., 2008, s. auch u. Link: http://www.regionalgeschichte.net/fileadmin/Superportal/Bibliothek/Autoren/Kern/St.Goar_Stiftskirche_Inschriften.pdf)

Der Blick über die Dächer inspiriert zur Reflexion des eigenen Standpunktes. Bemerkenswerterweise stellen uns diese Bilder vor Augen, dass das Ergebnis aller Erkenntnis gleichzeitig immer auch von der Wahl des Blickwinkels abhängig ist.

Auch wenn es - von unten betrachtet - erscheint, als ob man mit der Errichtung des Turmes damals tatsächlich geschafft hat, den Himmel zu erreichen, wird - von oben betrachtet - doch offenbar, dass der Versuch, imponierende Höhe zu gewinnen, eher bescheiden geblieben ist. Vielleicht kommt dabei dem Einen oder Anderen eine Assoziation zu 1 Mose 11, 5 in den Sinn. Doch ob die Relation zu dieser Bibelstelle wirklich zu einer angemessenen Interpretation führen kann, ist letztendlich wiederum auch von der Position des gewählten Blickwinkels abhängig. - HDB



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