„Soviel du brauchst“ …

Familienkirche in Werlau

Um Wüstenerfahrungen und Kraftquellen drehten sich die Gespräche am Sonntag, dem 9. Juni 2013, in der ersten Familienkirche in Werlau. Die Geschichte des Propheten Elia, der ausgebrannt in die Wüste flieht und aufgeben möchte, lieferte die Grundlage für das Thema. Aber statt unter einem Strauch in der Wüste zu sterben, wie er es sich wünscht, erfährt er Stärkung durch einen Engel, begegnet Gott und wird mit neuem Mut und neuen Aufträgen wieder zurück in seinen Alltag geschickt.

Nach langer Vorbereitung und mit vielen ehrenamtlichen Helfern kamen fast 90 Menschen zusammen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Der Jugendausschuss der Kirchengemeinde St. Goar nahm sich dieses Projekt vor, um alternative Gottesdienstformen zu erkunden und Angebote für alle Generationen zu schaffen. Gemeinsam mit der Gemeindepädagogin Rebecca Brückner übernahm der Jugendausschuss Verantwortung für den bunten Gottesdienst.

Ines Roth rief eine Projektband ins Leben, die mit zwei hervorragenden Beiträgen den Gottesdienst bereicherte (Diana Burg, Felix Burg, Lutz Brückner-Heddrich, Stefan Muders, Svenja Kowal und die vier tollen Sängerinnen des neuen Chors „The Offsprings“ aus Urbar). Stefan Muders am Keyboard sowie Felix und Lisa Kramb an der Gitarre begleiteten die bekannten und neuen Gemeindelieder. Mit so vielen engagierten Musikern machte das Singen großen Spaß. Ute Müller brachte zwei theaterbegeisterte Mitarbeiter zusammen, die in ihren Rollen als Lastenträger Tonja (Tonja Becker) und Carlo (Selina Rustemovski) uns näher brachten, wie die Erschöpfungserfahrungen von Elia unserem Alltag erstaunlich ähneln.

Statt einer Predigt erwartete die Besucher eine 20-minütige Gruppenphase. Mit Sabine Burg, Reinhold Kroll, Gudrun Kroll und Rebecca Brückner konnten die Besucher der Geschichte von Elia auf unterschiedliche Weise begegnen – ob mit einer Schweigediskussion, meditativem Tanz, der Methode „Bibel teilen“ oder einem Klangbild. Die jüngeren Besucher waren eingeladen, mit Jessica Hitzel und Linda Fromm oder Andrea Friedrich und Anke D’Avis ihre eigenen Erfahrungen mit dem Hören auf Gott in Sturm, Feuer oder der Stille zu machen.

Viele Gemeindemitglieder haben die Familienkirche zu etwas ganz besonderem werden lassen: Von den Landfrauen, die Kaffee kochten und die mitgebrachten Kuchen herrichteten, über die Konfirmanden, die an der Liturgie mitwirkten und für die Besucher die Stärkung durch Brot und Wasser anreichten, und an vielen Ecken und Enden mit anpackten bis hin zu der spontanen Bereitschaft von so vielen großen und kleinen Menschen aus der Gemeinde, sich in ganz unterschiedlicher Weise am Gottesdienst zu beteiligen. „Ich fühle mich ganz anders in diesem Gottesdienst“, erzählte eine Besucherin hinterher, „viel mehr als Teil der Gemeinde“. Bei Kaffee und Kuchen tauschen sich die Teilnehmer im Gemeindehaus aus. Ein Ehepaar aus den Niederlanden hatte im Internet nach einem Gottesdienst in dieser Region gesucht, um einen schönen Auftakt zu ihrem Ausflug an den Mittelrhein zu erleben und war sehr beeindruckt von der Lebendigkeit des Gottesdienstes und der Möglichkeit, sich im Anschluss noch gut bewirtet auszutauschen.

Das Pilotprojekt „Familienkirche“ in Werlau war ein schöner Erfolg und eine reife Leistung des Jugendausschusses, dessen Mitglieder sich auf die verantwortliche Organisation ihrer Aufgaben einließen und mit Freude und Stolz auf eine gelungene Gottesdienstfeier zurückschauen können. Auch als Gruppenleiter und Organisatoren haben sie hoffentlich in diesem Gottesdienst mitnehmen können, „so viel sie brauchen“ und wie Elia Stärkung und Erfrischung erfahren. - (RBr)



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