"Quo vadis" - ?

Presbyterium zwischen Zukunftsplanung und Tradition

Auch wenn die Kirche mit ihrer Botschaft im Besonderen den Herausforderungen dieser Welt im Allgemeinen gegenübersteht, ist sie dennoch gleichzeitig auch dem weltlichen "Lauf der Dinge" ganz und gar unterworfen. In dieser Spannung gilt es, das Evangelium innerhalb der Welt zur Geltung zu bringen.
Dies ist die Grundlage jeder Arbeit, die im alltäglichen Geschäftsbetrieb unserer Presbyterien zu leisten ist. Zweifellos ist die "Petrus-Frage" - wie sie uns in den apokryphen Petrusakten (Erläuterung dazu s. u.!) überliefert ist - dabei hilfreich, wenn es gilt zu überprüfen, ob die allgemeine Richtung noch stimmt.
Unsere Gemeinde ist derzeit vor besondere Herausforderungen gestellt. Drängende Konzeptionsfragen, aufwendige Umstellungen in der Finanzverwaltung und substanzerhaltende Gebäudesanierungen verzahnen sich derzeit in unserer Kirchengemeinde intensiv.


Vorsitz-Regelung

In der Presbyteriumssitzung am 05. März 2014 stand die turnusmäßige Vorsitzregelung an. Die Kirchenordnung der Rheinischen Kirche sieht zwingend vor, dass spätestens alle zwei Jahre der Vorsitz und damit auch der stellvertretende Vorsitz im Presbyterium neu festzulegen ist; dies muss termingerecht geregelt werden. In unserer Gemeinde konnte diesmal die Entscheidung nicht einfach im üblichen turnusmäßigen Wechsel getroffen werden, weil intensive Veränderungen anstehen.
Pfr. Hans-Dieter Brenner wird kurz nach der nächsten Presbyteriumswahl in zwei Jahren nach fast 33 Jahren seinen aktiven Dienst in unserer Kirchengemeinde beenden. Die Pfarrstelle im 2. Bezirk wird dann nicht mehr wieder besetzt werden. Dies führt zu erheblichen Veränderungen, deren Konsequenzen bereits jetzt bedacht und in Planung genommen werden müssen.
In diesem Zusammenhang hat das Presbyterium seine Entscheidungen für die nächste Amtsperiode bis zur Presbyteriumswahl getroffen.
Dr. Volker Enkelmann wird den Vorsitz führen und die anstehenden Arbeiten moderieren. Pfr. Hans-Dieter Brenner wird den stellvertretenden Vorsitz führen und seine laufenden Projekte so zum Abschluss bringen, dass sie mit Ende seiner Dienstzeit übergeben und je nachdem im neu zu schaffenden Rahmen fortgeführt werden können.


Neu-Konzipierung

Pfr. Krammes wird bereits jetzt gemeinsam mit einem in dieser Sitzung neu aufgestellten Konzeptions-Ausschuss ein Modell entwickeln, in dem die Arbeit der Kirchengemeinde unter den veränderten Bedingungen fortgeführt werden kann.


Kirchmeister & Ausschüsse

Die Kirchmeister und Ausschussvorsitzenden amtieren in der Regel vier Jahre und sind deshalb nicht von der Vorsitzregelung betroffen.
Finanzkirchmeister Jürgen Hein führt weiterhin in Zusammenarbeit mit der Koblenzer Gemeindeverbandsverwaltung die "Finanz-Abteilung" im Bau- und Finanzausschuss der Kirchengemeinde. Allerdings wird er bereits im kommenden Jahr aus dem Presbyterium ausschieden, weil er dann die von der Kirchenordnung gesetzte Altersgrenze für den aktiven Dienst im Presbyterium erreicht hat. Dann muss für ihn ein Nachfolger gefunden und durch Kooptations-Wahl eingesetzt werden. Mit der Nachberufung muss nicht zwangsläufig das Finanzkirchmeisteramt verbunden sein; dies kann auch von einem anderen Presbyteriumsmitglied weitergeführt werden.
Horst Schüler führt als Baukirchmeister die "Bauabteilung" im Bau- und Finanzausschuss und koordiniert die anstehenden Renovierungs- und Sanierungsarbeiten.
Christel Beckel leitet weiterhin als Diakonie-Kirchmeisterin den Diakonie-Ausschuss.
Prädikant Reinhold Kroll führt den Ausschuss für Theologie und Gottesdienst und sorgt für den geordneten Umbau der Gottesdienststruktur in unserer Kirchengemeinde.
Daneben bleibt die weiterführende Arbeit im Öffentlichkeitsausschuss mit der Redaktionsarbeit für Gemeindebrief und Internetportal mit Vorsitz von Pfr. Hans-Dieter Brenner, dem Jugendausschuss mit Vorsitz von Sabine Burg zur Betreuung der Kinder- und Jugendprojekte und im Kulturausschuss mit Vorsitz von Jutta Gürth-Ehrhardt derzeit noch in den bewährten Bahnen..


Kooperationen

Von der notwendigen Umgestaltung der Gemeindearbeit durch die Weiterführung mit nur einer Pfarrstelle sind auch die gemeindeübergreifenden Kooperationen betroffen.
Die Konzeption der gemeinsamen Regionalstelle für Kinder- und Jugendarbeit in den Südgemeinden ist bereits durch die Zusammenlegung der Vierthäler-Gemeinden überholt. Da die Stelle in der ehemals bestehenden Konstellation nicht unverändert weitergeführt werden kann, wurde der Kooperationsvertrag bereits gekündigt. Ob es zu einer Neukonzeption kommen kann, ist derzeit nicht erkennbar.
Die Kooperationsverträge mit der Evangelischen Kirchengemeinde Boppard und den Loreley-Kliniken sind ebenfalls betroffen und werden in der bestehenden Form nicht mehr weitergeführt werden können.


NKF - Finanzverwaltung

Die Umstellung auf das Neue Kirchliche Finanzwesen (NKF) bereitet im praktischen Vollzug immer wieder einmal unvorhersehbare Probleme, da Vieles, was in der "Kameralistik" routiniert eingespielt war, in der "Doppik" nicht ohne Weiteres umgesetzt werden kann. Auch wenn diese Umstellung zukunftsweisend sinnvoll ist, um zu einem umfassenderen Gesamtüberblick der kirchlichen Finanz- und Vermögensverwaltung zu kommen, ist die oft notwendige Nachjustierung vieler Verwaltungsprozesse oft unerfreulich. Die zufällig gleichzeitige Umstellung der Banken auf das neue SEPA-Verfahren mit BIC und IBAN machen die Umgestaltung im Gesamten nicht unbedingt einfacher.


Gebäude-Sanierung

Leider hat es sich gezeigt, dass wir nach der Turmrenovierung an der Stiftskirche mit unserer Gebäudesanierung nicht fertig sind.
Am Turm selbst fallen noch vorher nicht erkannte Nacharbeiten an.
Umfangreich wird daneben die bereits seit längerer Zeit notwendig gewordene Grundsanierung des Daches über dem Kirchenschiff. Der sich abzeichnende Aufwand wird die Möglichkeiten unserer Kirchengemeinde nicht nur überstiegen, sondern überfordern. Z. Zt. wissen wir noch nicht, ob wir das anstehende Bauprojekt mithilfe öffentlicher Förderung und gesamtkirchlicher Unterstützung in einen handhabbaren Rahmen stellen können.
Die notwendige Renovierung des Werlauer Gemeindehauses und die Fertigstellung der Orgelarbeiten zählen daneben eher zu den "Kleinigkeiten".


Biblische Orientierung

Die konkret zu bewältigenden Aufgaben werden gelegentlich so beanspruchend, dass die Auseinandersetzung mit geistlichen Angelegenheiten der Gemeindeleitung, die ja eigentlich primäre Angelegenheit des Presbyteriums ist, in den Hintergrund gerät. Deshalb ist es gerade für die Routinearbeit im Presbyterium unabdingbar notwendig, hin und wieder innezuhalten und Kraft zu sammeln für Leib und Seele. Selbstverständlich beginnen und schließen wir unsere Sitzungen mit einem geistlichen Wort.


Eintritt in die Passionszeit

In der protestantischen Kirche gibt es in reformierter Tradition die Sitte des öffentlichen Wurst­essens am Aschermittwoch. Dabei geht es uns heute ausdrücklich nicht um eine ökumenische Provokation!

Vielmehr fordert die "vordergründige" Missachtung eines "Fastengebotes" eine besondere Verpflichtung in der Auseinandersetzung damit, was vor Gott um des Evangeliums willen in dieser Welt zu tun ist.

In Anlehnung an die Sabbat-Definition in Mk 2, 27 steht die Kirche im Dienst der Menschen und nicht der Mensch im Dienst der Kirche. Und deshalb ist FASTEN oder NICHT-FASTEN in diesem Fall ausnahmsweise eben nicht die Frage, denn in Wirklichkeit geht es auch im Presbyterium bei beidem darum, Gott die Ehre zu geben, wie sie ihm gebührt und dafür nach einer angemessenen Form zu suchen.
Und so sind wir im Presbyterium unserer Kirchengemeinde auch mit unseren Alltagsgeschäften auf der Suche nach dem Weg, der uns dorthin führt, wo wir der "Guten Botschaft" des Wortes Gottes begegnen. - Pfr. Hans-Dieter Brenner


Weiterführende Infos zum Wurstessen

Zu weiteren Sachinformationen über das "reformierte Wurstessen" verweisen wir auf die beiden nachstehend angegebenen Internet-Artikel, die wir hier nur gekürzt wiedergeben, und empfehlen auch wegen der weiterführenden Links die Web-Seiten direkt aufzurufen - (HDB)

Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Wurstessen

Das Wurstessen hat für die Reformation in der Schweiz wie die reformierte Kirche allgemein eine ähnlich bedeutende Rolle wie der Wittenberger Thesenanschlag für die Reformation in Deutschland und die lutherischen Kirchen. Das Wurst­essen wurde ... richtigerweise als symbolische Demonstration der evangelischen Freiheit im Sinne von Zwinglis Predigten und Luthers Bibelverständnis verstanden. Man setzte sich im reformatorischen Sinne über alles sogenannt «nicht Biblische» hinweg..


Reformierte Kirche Kanton Zürich
http://www.zh.ref.ch/a-z/zwingli/lexikon-w/wurstessen

Am ersten Sonntag der vorösterlichen Fastenzeit (09. März 1522) ... ging es darum, auf dem Hintergrund von Zwinglis Predigten die evangelische Freiheit zu demonstrieren und sich im reformatorischen Sinne über alles sogenannt nicht Biblische hinwegzusetzen.
Der Rat von Zürich (nicht die Kirche) ordnete sofort eine Untersuchung über das Fastenbrechen an, als das Wurstessen publik wurde! Zwei Wochen später nahm Zwingli in seiner Predigt zum Fasten Stellung, deren Text dann bereits am Gründonnerstag im Druck erschien: "Vom Erkiesen und Fryheit der Spysen". ... Der Grosse Rat verurteilte zunächst den Fastenbruch. Geradezu revolutionär bzw. reformatorisch hochbrisant war aber seine Entscheidung als weltliche Behörde, in der Fastenfrage nur noch gelten zu lassen, was die Bibel dazu erlaubt bzw. verbietet. Ein Jahr später wurden alle Fasten-Gesetze aufgehoben. Der Rat hatte damit in eigener Entscheidung Zwinglis Schriftprinzip übernommen, akzeptierte die Bibel (in Zwinglis Auslegung!) also als alleinige Grundlage für sein kirchenpolitisches Handeln.


Erläuterungen zu den Petrus-Akten

Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Quo_vadis%3F
http://de.wikipedia.org/wiki/Petrusakten

Die Petrus-Akten belegen nicht etwa eine früh-kirchliche Verwaltung, wie der Begriff "Akten" fälschlicherweise nahezulegen scheint, sondern sie sind eine Legenden-Sammlung um den Apostel Petrus aus der Zeit der jungen Kirche, die nicht mehr Aufnahme in den Biblischen Kanon gefunden hhat. Hierzu sei u. a. auf o. a. Artikel verweisen. - HDB



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