Aktuelle Herausforderungen

Bedenken mit Bedachtsamkeit

Zweifellos erleben wir derzeit bei uns eine Umbruchsituation in einer Intensität und Dynamik, die wir nicht wirklich einschätzen können. Manch einen führt das in die Sorge um eine Islamisierung Europas.

Viele Menschen kommen zu uns und bringen aus ihrer Heimat ihre religiöse und kulturelle Prägung mit. Was für uns im Urlaub in den entsprechenden Ländern kein Problem ist, kann hier im Straßenbild schon einmal störend ins Auge springen. Kopftücher und Schleier schaffen Distanz. Das muss einem nicht gefallen; wir sind es hier halt nicht gewohnt. Andererseits sollten wir aus unserer abendländischen Tradition doch tolerant genug sein, fremden Menschen hier das Gleiche zuzugestehen, was wir selber umgekehrt ihnen abverlangen, wenn wir bei unseren Reisen in fremde Länder mit unserem dort ungewohnten "Outfit" auftreten. Abgesehen davon begegnen uns hier auch nur Menschen, die versuchen, Gott die Ehre zu geben, die ihm gebührt. Und das kann uns doch eigentlich nicht stören, auch wenn der muslimische "Dresscode" nun einmal anders aussieht, als wir das bei uns gewohnt sind.

Allerdings denke ich, dass unser Problem, das unserer Gesellschaft erwächst, nicht durch eine Überfremdung in eine vermeintliche Islamisierung entsteht, sondern vielmehr durch eine permanent schleichende Entchristlichung unserer einheimischen Gesellschaft.

Was über vielen finanziell begründeten Kirchenaustritten offenbar wird, hat in einem seit langem währenden, schleichenden Identitätsverlust seinen Vorlauf. Die für den christlichen Glauben nötige inhaltliche Auseinandersetzung ist für Viele zu mühsam geworden. Dann aber verliert unsere Religion ihren Sinn. Dabei ist es bedauerlich, wenn sich immer mehr Menschen aus unserer kulturellen Tradition für einen Verzicht auf eine kirchliche Rückbindung entscheiden. Unrecht aber ist es, anderen Menschen entgegenzutreten, wenn sie mit ihrem kulturellen Selbstverständnis Gott die Ehre geben, die ihm gebührt und dies öffentlich bezeugen. Eine hier herbeigeredete Kultur- und Religionskonfrontation lenkt nur davon ab, genauer in den Blick zu nehmen, was bei uns nicht in Ordnung ist.

Wer seine Bibel noch kennt, versteht, was sich derzeit bei uns ereignet. In Lukas 13, 29 steht: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes."

Und deshalb gilt meine besondere Anerkennung und mein Dank sowohl denen, die in ihrer kirchlichen Einbindung Stand halten, wie auch denen, die sich über alle Konfessionsgrenzen hinaus mit uns dafür einsetzen, den Flüchtlingen, die bei uns Schutz suchen, den Rat und die Hilfe zukommen zu lassen, die sie brauchen. - Pfr. Hans-Dieter Brenner im RHZ-Fixpunkt am 07.08.2015



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