Stiftskirche

Stand der Bauarbeiten im Januar 2017

Im letzten Jahr noch nicht abzusehen, aber auch nicht wirklich überraschend - haben sich noch weitere Bausubstanzmängel gezeigt, die vor der Dachöffnung so nicht zu erkennen waren.

So wurde an der Nordseite festgestellt, dass:

- sich der Umfang der sanierungsbedürftigen, geschädigten Deckenbalken und Sparrenfußpunkte gegenüber den Prognosen des Holzschutzgutachtens auf fast alle Konstruktionshölzer dieser Seite ausgeweitet hat,

- die Schadgrenzen des Befalls durch Probebohrungen mit gefühlten Bohrwiderstandsunterschieden - gesundes oder geschädigtes Holz - keine realistischen Ergebnisse erbringen und diese deshalb nur durch sogenanntes "Gesundschneiden" des geschädigten Holzes bis zum Übergang in das gesunde Holz in jedem Einzelfall neu erbracht werden müssen,

- die teilweise vorgegebene statische Ausführungsart mit seitlichem Anlaschen von Kanthölzern an nicht mehr tragfähige Hölzer die Dicke der Altholzschalung aufgrund zu großer Befestigungsabstände auf den Sparren für das Aufnageln der neuen Naturschiefer nicht mehr ausreichte und zumindest an dieser Seite komplett mit dickeren Schalbrettern erneuert werden muss.

All dies hat dann in der sich ergebenden Konsequenz dazu geführt, dass

- die nur punktuell aufzubauenden Notdächer über den Traufpunkten praktisch über die gesamte Trauflänge aufgestellt werden mussten,

- ein weitaus größerer Arbeitsaufwand mit entsprechendem Holzmehraustausch eine Ausführungsverlängerung und nicht unbedeutende Mehrkosten nach sich gezogen hat,

- der geplante Beginn des Schieferabbruchs über den Notdächern im Bereich der Fledermaus-Straßenräume zur dortigen Erneuerung der Dachschalung bis zum Auszug der Fledermäuse verschoben werden musste. Wobei diese sich durch die ungewöhnlichen Wetterbedingungen im letzten Jahr nicht an die sonst üblichen Zeiten hielten und statt Ende September erst Mitte bis Ende Oktober ausflogen und darüber hinaus noch einmal kurze Zeit später zurückkamen.

Als es dann möglich wurde, die Schieferabbrucharbeiten durchzuführen, ohne die Fledermäuse zu stören, verhinderte eine Frostperiode mit schlechtem Wetter im November die Weiterarbeit. Dies hat nun zur Folge, dass der Schieferabbruch über den neu geschalten Traufen witterungsabhängig erst im Januar / Februar 2017 erfolgen kann,

- aufgrund dieser Behinderungen die Restaurierungsarbeiten an den Traufen der Südseite vorgezogen werden mussten - leider auch hier mit nicht­erwartbarem Mehraufwand,

- die statischen Hilfsstahlkonstruktionen in Form von Spannstählen und Mauerankern, die die horizontalen Bewegungen des Dachstuhls infolge von einseitigen Lastangriffen verhindern sollen, eingebaut werden konnten. Allerdings greifen diese im nördlichen Flankenturm in einen bauhistorisch sehr sensiblen Bereich ein, der die Landesdenkmalpflege auf den Plan rief. Aber hier ist nun Einigung in Sicht.

Wie es dann im Hinblick auf den erwarteten Besatz der Dachräume durch die Fledermäuse ab April mit damit verbundenen Ausführungseinschränkungen bei den Zimmer- und Dachdeckerarbeiten im Bereich der Fledermausflugräume weitergehen kann und wie man aneinander „vorbeikommt“, soll anlässlich eines Besprechungstermins Ende Januar mit den Vertretern der Naturschutzbehörde geklärt werden.

Erfreulich ist zu vermerken, dass aufgrund der nicht unerheblichen Mehrkosten, die für die statische Stabilisierung des Dachstuhls aufgewandt werden mussten und noch müssen, Einvernehmen mit der Landesdenkmalpflege und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz dahingehend erzielt werden konnte, dass ohne Kürzung der Fördergelder anstelle des ursprünglich vorgesehenen Deutschen Naturschiefers nunmehr die optisch nicht zu unterscheidenden, wesentlich kostengünstigeren spanischen Naturschiefer eingebaut werden dürfen. - (Infos: Architekt Hans Becker / HDB - Januar 2017)



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