Die "Computer-AG"

in der Evangelischen Kirchengemeinde St. Goar

--- Umbruch in die digitale-Welt ---

Zum Ende der 1980er Jahre zogen die politischen Umwälzungen die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Umgestaltung Europas, die durch die Öffnung der "Mauer" und dem damit einhergehenden Fall des "Eisernen Vorhangs" initiiert wurde, beherrschte mit dem nachfolgenden Wiedervereinigungsprozess und der daraus hervorgehenden Umgestaltung Europas die Nachrichten. Deshalb war zunächst die parallel laufende "digitale Revolution" mit ihren weltweit zu noch sehr viel entscheidenderen Veränderungen kein Thema öffentlicher Diskussion. Die hiermit einhergehenden Veränderungen ereigneten sich "schlicht und einfach" nebenbei.

Aus den Spiele-Konsolen in den Kinderzimmern waren inzwischen mehr und mehr Computer geworden, die auch als leistungsfähige "Büro-Maschinen" eingesetzt werden konnten. Mit ihren Textverarbeitungs- und Datenbank-Systemen wurde der Einzug in die Amtsstuben der Verwaltungen und den häuslichen Arbeitszimmern der Pfarrhäuser zur Selbstverständlichkeit.

Die Schulen reagierten auf die neuen Herausforderungen mit Computer-Unterricht und VHS-Kursen. Im damals sehr guten Verhältnis zwischen Preis, Leistung und Bedienungskomfort war zunächst die Atari-ST-Linie führend. Daher wurde auch der Computerraum in der Heuss-Adenauer-Schule in Oberwesel mit ST-Rechnern ausgestattet. Die Betreuung oblag den Mathematiklehrern. Dadurch war Realschullehrer Reinhold Kroll - damals bereits Presbyter in der Evangelischen Kirchengemeinde St. Goar - von Anfang an in die kirchengemeindliche "Computer-Szene" involviert.

Pfr. Hans-Dieter Brenner stattete sein Arbeitszimmer ebenfalls mit einer Atari-ST-Anlage aus. Auf Grund erster Erfahrungen, die sich treffend mit den damals in Anlehnung an die Werbung mit den allseits vertrauten geflügelten Worten "... plug & 'pray' ... - ... druckt nicht ..." beschreiben lassen, bilden sich seinerzeit vielfältig "Projekt-Gruppen" zu gegenseitigem Erfahrungsaustausch und praktischer Hilfe.

In der Evangelischen Kirchengemeinde bildete sich eine "Computer-AG", die den Anschaffungs- und Einrichtungs-Prozess der Computeranlagen begleitete. Neben Pfarrer Hans-Dieter Brenner und Presbyter Reinhold Kroll gehörte auch Patrick Becker aus dem Werlauer Jugendkreis mit dazu, der die Konfiguration von Druckertreibern beherrschte, die damals noch selbst angepasst werden mussten. Durch sein Engagement war es möglich, den "pfarramtlichen" Druckertreiber so einzurichten, dass die Schreibmaschine ersetzt werden konnte. Aufgrund dieser Erfahrung wurde schließlich 1990 entschieden, auch die mechanischen Schreibmaschinen an beiden Arbeitsplätzen im Kirchengemeinde-Büro durch ST-Computer für die "Schriftgut"-Bearbeitung zu ersetzen. Um von beiden Arbeitsplätzen auf alle Vorgänge zugreifen zu können, wurden die Computer per MIDI-Schnittstelle verbunden.

Die Vernetzung forderte ein "handliches" Dateiablage-System, um die nun stetig wachsende Datenansammlung beherrschbar zu halten. Zwar war seinerzeit noch nicht erkennbar, welches Betriebssystem sich langfristig in den Büros durchsetzen würde. Allerdings hatten sich bereits damals für das Dateihandling systemübergreifend "Verzeichnis-Strukturen" etabliert. So konnte von Pfr. Hans-Dieter Brenner die Übertragung des Einheitsaktenplanes nach der Schriftgutordung der EkiR für die Dateiablage des Schriftverkehrs vorgenommen und in einer Verzeichnisstruktur angelegt werden, die mit der Gliederung in der Papierablage identisch war. Dadurch war der bestehende Einheitsaktenplan auch für die PC-Ablage als Handbuch nutzbar. Die Anpassung auf die zum 01.06.2004 von der EKiR vorgenommene Erweiterung des Aktenplanes wurde sowohl für die Archiv- als auch für die Datei-Ablage zeitnah vorgenommen. Der "innergemeindliche" Datenaustausch erfolgte in der Anfangszeit zunächst noch im Büro per MIDI-Netz und nach außen per Diskette.

Die "Computer-AG" etablierte sich als Gemeindekreis mit wechselnder Besetzung zur ständigen Einrichtung, die u. a. auch für den reibungslosen Betrieb der Computeranlage im Kirchengemeindebüro sorgte. Zur gegenseitigen Unterstützung organisierten sich immer wieder unterschiedliche Projektgruppen.

Durch den Kontakt zum ATKO - (Artari-Club-Koblenz) - entstanden weitere Möglichkeiten und Verbindungen. 1995 wurde eine gemeinsame Fahrt zur Atarimesse "proTOS" in Hennef-Sieg organisiert, zu der sich die inzwischen um Pfr. Hans-Dieter Brenner entstandene "Pfarramts"-Projekt-Gruppe mit Pfr. Erhard Dombrowski und Pfr. Volker Horlitz verabredete. Dabei ging es nicht nur darum, Eindrücke über aktuelle Weiterentwicklungen und neue Möglichkeiten zu sammeln, sondern gleichzeitig auch in der Computer-Szene "kirchliche Präsenz" zu zeigen. Immerhin war es Pfr. Hans-Dieter Brenner möglich, in einer der führenden Computerzeitschriften eine Programm-Rezension unterzubringen, in der die Verwendung eines Bibel-Programms in kirchlicher Praxis beschrieben wurde. In der "Messe-Ausgabe" der Atari-Zeitschrift "ST-Computer" war der Artikel "Bibel im ST" abgedruckt.:

PSH-Medienvertriebs GmbH, 1995, ST-Computer - Die Fachzeitschrift für Atari ST, TT, FALCON und JAGUAR - Heft Dezember 95 - Nr. 12, Seite 38 ff; - später auch im STC-Web-Archiv als Artikel "Bibel im ST" übernommen - s. unter Link : ==> http://www.stcarchiv.de/stc1995/12/bibel-st

Der Messebesuch wurde als "thematische" Gemeindefahrt angeboten, um auch anderen interessierten Gemeindegliedern eine Teilnahme zu ermöglichen - s. dazu auch :

[(http://www.ev-kgm-stg.de/Bilder-Berichte/AABC-Alte-Berichte/BxB-19951125-ProT0S-Messebesuch/BxB-19951125-Artikel-Protos.html)]


Mitte der 90er Jahre waren Modems erschwinglich geworden, wodurch sich vielfältige Möglichkeiten für eine überregionale Zusammenarbeit per DFÜ und Mail-Box-Betrieb eröffneten. In der EKiR wurde die Mailbox "THEOMAIL" in Betrieb genommen. Die relativ hohen Telefonkosten im Online-Betrieb erweisen sich dabei als Nachteil.

Das inzwischen weltweit etablierte Fido-Netz beruhte auf dem Konzept, dies zu vermeiden. Offline vorbereitete Datenpakete wurden komprimiert und automatisiert zu preisgünstigen Tarifzeiten ausgetauscht. Allerdings war die für die Einrichtung erforderliche Konfiguration anspruchsvoll. Durch die erforderliche Koordination entwickelten sich auch für die St. Goarer "Computer-AG" noch einmal ganz neue Kontakte und Kooperationen.

Über eine Verbindung zum Fido-Atari-Forum, das seinerzeit von Florian Diete, Informatik-Student an der FH Koblenz, betreut wurde, eröffnete sich die Möglichkeit, sich dem ökumenisches Netzwerk CHURCHMAIL anzuschließen.

Hier hat sich Pfr. Hans-Dieter Brenner mit der Veröffentlichung von neun Predigten an der entstehenden "Predigt-Datenbank" beteiligt.

Da sich bald zeigte, dass der Konfiguration-Aufwand beim Anschluss an das Fido-Netz für viele eine erhebliche Zugangseinschränkung bildete, begann bald die Suche nach einer Alternative für die Veröffentlichung der Predigt-Datenbank.

Diese wurde daraufhin zunächst an die anfangs noch parallel betriebene Trilos-Sammlung unter www.predigten.de angebunden. Daneben wurde die Predigt-Sammlung für den Offline-Betrieb auf der "Predigt-CD-Rom" von Trilos und - dem in der 2. Auflage folgend - auf der "Predigt-CD-Rom 2.0" der Deutschen Bibelgesellschaft zur Verfügung gestellt.

In den Gemeindeämtern kamen nun allmählich auch die bis dahin klassischen Großrechneraufgaben der Meldeämter für den PC-Betrieb in Blick. Für das kirchliche Meldewesen sollten im Zusammenhang der Kirchensteuerverwaltung die Gemeindeglieder-Karteien aus den Standesamtsbeständen zu einer landeskirchlichen Zentral-Datei generiert werden. Das Rheinische Rechenzentrum für Kirche und Diakonie war zunächst nicht in der Lage, den Gemeinden vor Ort kurzfristig aktuelle Datensätze ihrer Gemeindeglieder zur Verfügung zu stellen.

In der Evangelischen Kirchengemeinde St. Goar wurde entschieden, sich - auf Grund der Eindrücke bei einem Vorort-Termin und der bestätigt guten Erfahrungen der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler - ebenfalls an das Rechenzentrum des Bischöflichen Ordinariates in Mainz anzuschließen, bis durch das ECKD-Rechenzentrum in Kassel eine befriedigende Lösung EKD-weit angeboten werden konnte. Der Datenaustausch erfolgte zunächst per Diskettenversand.

Da inzwischen die "Computerwelt" mehrheitlich mit den Betriebssystemen auf Windows und bei der Vernetzung auf das WWW-Internet konzentriert war, wurde schließlich ab 2002 auch für die Evangelische Kirchengemeinde St. Goar die Hard- und Software-Umstellung durch die "Computer-AG" vorbereitet.

Als es Organist Harald Mebus - hauptberuflich in der IT-Branche tätig - möglich war, sich ebenfalls in der "Computer-AG" zu engagieren, konnte die Umstellung in Angriff genommen werden. Zur Vorbereitung der Datenübernahme schrieb Florian Diete, der durch das vorausgegangene Fido-Projekt in die St. Goarer AG eingebunden war, den dafür nötigen GFX/RTF-Textkonverter. Nach erfolgreich durchgeführtem Systemwechsel wurde von Harald Mebus eine WWW-Domain mit eigener E-Mail-Adresse für die Kirchengemeinde eingerichtet.

Somit konnte ein Web-Portal betreiben werden, das für die Bereitstellung aktueller Informationen und der Online-Ausgaben der Gemeindebriefe vorgesehen war und auch der Veröffentlichung historischer Beiträge und Artikel zur Kirchengemeinde diente. - s.: [(http://www.ev-kgm-stg.de/Bilder-Berichte/AABC-Alte-Berichte/BxB-2003-X-2004-StG-Web/BxB-2003-X-2004-StG-Web-Einrichtung.html)]

Im Praxisbetrieb zeigte sich sehr bald als vorteilhaft, dass sich sowohl der Lektorenkreis im 2. Pfarrbezirk als auch der Öffentlichkeitsausschuss per Web und E-Mail-Rundschreiben organisieren konnten und so eine intensive Zusammenarbeit möglich wurde, ohne ständig zeitraubende Besprechungstermine einhalten zu müssen. Schließlich wurde die Koordination mit dem Gemeinde-Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit, dem Redaktions-Team für den Gemeindebrief 'Die STIMME' und der Web-Seite zwischen Pfr. Hans-Dieter Brenner und Rektor i.R. Klaus Brademann vollständig per Mail-Konferenz organisiert.

Im Laufe der Zeit konnte eine ausschließlich ehrenamtliche Betreuung der Software-Konfiguration und der Hardware-Installation durch die Computer-AG zu den allgemeinen Bürozeiten nicht mehr hinreichend wahrgenommen werden. Deshalb wurden regionale Fachfirmen projektweise in die Systempflege der Büro-Anlage eingebunden, wobei die Gesamt-Konzeption weiterhin durch die "Computer-AG" betreut wurde. Zwischenzeitlich wurde das Meldewesen auf einen passwortgeschütztem Internet-Zugriff umgestellt und - dem folgend - der Einsatz von MEVIS per EkiR-Infranet-Zugang geregelt. Bedingt durch die Presbyterwahlen von 2016 und dem bevorstehenden Ruhestandseintritt von Pfr. Hans-Dieter Brenner wurde eine Neuorganisaton vorgenommen.

Aktuell hat Presbyter Reinhold Kroll - Realschullehrer i.R. - die PC-Betreuung für die Flüchtlingsarbeit aus einem Pool gespendeter Hardware, den WLAN-Zugang und die Web-Anbindung im "Flüchtlings-Kaffee" übernommen.
Dr. Volker Enkelmann - Chemiker am Max Planck Institut Mainz i.R. - koordiniert als Vorsitzender des Presbyteriums den Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit und übernimmt die obligatorische gewordene Datenschutzbeauftragung.

Presbyter Alexander Müller - hauptberuflicher Kaufmann im Einzelhandel mit System­administrator-Fortbildung - koordiniert den Biebernheimer Lektorenkreis per Mail-Konferenz und arbeitet zeitweise im Redaktions-Team des Gemeindebriefes mit, berät die Einrichtung des EkiR-Intranet-Zugangs im Kirchengemeindebüro, sorgt - ggf. auch per Fernwartung - für den reibungslosen Windows-Betrieb der PC-Anlagen und ist an der Web-Seiten-Betreuung beteiligt.
Wolf-Kristian Wolf - hauptberuflicher Diplom-Mathematiker mit IT-Schwerpunkt, derzeit als Big-Data-Engineer bei einem Analysesoftware-Entwickler für Automobilteilezulieferer für Daten-Organisation/Verwaltung tätig - wird 2016 in den Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit berufen, koordiniert und pflegt die Web-Seiten-Einträge und sorgt in Kooperation mit BS2 für Ordnung auf der Web-Seite.

Inzwischen ist die digitale Welt wieder im Wandel. In den privaten Haushalten lösen Smartphones und Tabletts die Desktop-Computer ab. Kontakte in den sozialen Medien binden die Aufmerksamkeit im Web.

Was aus der Arbeit des Computer-AG bleibt, ist ein reibungsloser und den Erfordernissen angepasster Betrieb der PC-Anlage im Kirchengemeindebüro und die Möglichkeit per Web auf Gemeindebriefe, Artikel und Beiträge zugreifen zu können, die sonst nicht zugänglich wären.

Pfr.i.R. Hans-Dieter Brenner - (Artikel zusammengestellt und bearbeitet im Sommer 2018)

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