Die STIMME - 2009 - 3 - Sonderausgabe





Umstrukturierung in der Kirchengemeinde St. Goar

Liebe Kirchengemeinde St. Goar,

liebe Schwestern und Brüder!

Ihr seid Gottes Bau!“ – so hat Paulus an die Gemeinde in Korinth geschrieben. Selbstbewusst beschreibt er seine eigene Rolle: „Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Kor. 3, 10-11)

Es geht in diesen Worten um die Gemeinde, um die Kirche Jesu Christi, und es geht darum, was Menschen in dieser Kirche zu tun haben.

1. Die Kirche ist Gottes Bau. Gott baut!

2. Der Grund ist gelegt. Die Kirche Jesu Christi muss sich nicht selbst immer wieder neu begründen.

Das ist ein enormer Zuspruch. Gott baut, und das Fundament ist gelegt! Das ruft uns alle auf zu einer tief gegründeten geistlichen Gelassenheit. Die haben wir dringend nötig. Wir sollen unseren Auftrag erkennen und auf unsere Gaben vertrauen. Weiterbauen ist die begrenzte Aufgabe, die gestellt ist.
Manchmal fällt das Weiterbauen nicht leicht. Manchmal stehen die Zeichen auf Sturm:

Große Veränderungen kommen auf un­sere Gemeinde zu.

Unsere Gesellschaft steht vor einem großen Wandel. Unsere Bevölkerung wird immer älter, die Lebenserwartung steigt. Dem steht eine stark sinkende Geburtenrate gegenüber. Diese Entwicklung hat auch Folgen für unsere Kirche. Wie sieht die Kirche im Jahre 2020 oder 2025 aus? Unsere Landeskirche hat Fachleute und Versicherungsmathematiker beauftragt, eine Hochrechnung vorzulegen. Das Ergebnis war alarmierend:

Innerhalb der nächsten 20 Jahre werden wir ein Drittel unserer Mitglieder verlieren,

In 20 Jahren steht uns nur noch die Hälfte der heutigen Finanzmittel zur Verfügung.

Die Landeskirche hat auf diese bevorstehenden Veränderungen hin gehandelt und die Zahl der Pfarrstellen drastisch reduziert. Für die Bewertung einer Pfarrstelle gelten nur noch zwei Faktoren: die Gemeindegliederzahl und die Ausdehnung der Gemeinde. Nach diesem Zahlenwerk, das von der Landessynode beschlossen wurde, steht jedem Kirchenkreis nur noch eine bestimmte Zahl von Pfarrstellen zu. Die Kreissynode des Kirchenkreises Koblenz hat im Juni dieses Jahres die Neuberechnung übernommen und auf die Gemeinden übertragen. Für unsere Gemeinde und die gesamte Region hat dies gravierende Auswirkungen:

Bacharach verliert ½ Pfarrstelle (bis jetzt 1 Pfarrstelle),

Oberdiebach verliert ¼ Pfarrstelle (bis jetzt 75%-Pfarrstelle),

St. Goar verliert 1 Pfarrstelle (bis jetzt 2 Pfarrstellen),

Boppard verliert ¼ Pfarrstelle (bis jetzt 1,5 Pfarrstellen).

Unser Kirchenkreis hat allerdings beschlossen, dass die Veränderungen fließend vorgenommen werden sollen, d. h. bis 2015 wird kein Pfarrer versetzt werden, wenn die Messzahl noch nicht erreicht ist. Die Gemeinden sind jedoch gehalten zu kooperieren, wenn in der einen Gemeinde Bedarf ist und die andere Gemeinde freie Kapazitäten hat. Da unsere Gemeinde St. Goar einen Überhang von 84% Pfarrdienst ausweist, sind wir gebeten worden, Aufgaben in anderen Arbeitsgebieten zu übernehmen:

St. Goar und Boppard schließen einen Ver­trag: 25% Pfarrdienst werden von St. Goar in Boppard geleistet.
Der Kirchenkreis verstärkt sein Engagement in den Loreleykliniken und in den Schulen mit 36% Pfarrdienst.

Das Presbyterium musste auf diese Veränderungen hin reagieren und hat beschlossen, dass Pfr. Brenner 25% seiner Arbeitszeit in Boppard leistet. Pfr. Krammes wird 36% in den Loreleykliniken und in den Schulen übernehmen.

Dies bedeutet, dass ab Herbst 2009 in beiden Pfarrstellen zusammen 60% des Pfarrdienstes von der bisherigen 2 x 100% Versorgung aus der Gemeinde St. Goar abgezogen werden.

Viele vertraute Dienste werden nicht mehr möglich sein oder umstrukturiert werden müssen. Manches erfordert Flexibilität und auch Mobilität. Anderes ist auch eine Chance. Ich wünsche uns, dass es uns gelingt so weiterzubauen, dass die Gemeinde gestärkt ist. Wir müssen den Eindruck vermeiden, als ginge es nur um Abbau. Nein: Auch weiterhin vertrauen wir darauf:

Die Kirche ist Gottes Bau. Gott baut!

Pfarrer Wolfgang Krammes

Die verschiedenen Umstrukturierungsmaßnah­men wurden in der Gemeindeversammlung vor­gestellt und ausführlich besprochen.

Foto: Klaus Brademann



Weitere Veränderungen im Gemeindeleben

Durch die Teilabordnung von Pfarrer Brenner nach Boppard und den festen Einsatz von Pfarrer Krammes in den Loreley-Kliniken in Oberwesel und St. Goar kommen auf die Gemeinde Veränderungen zu. Da dadurch die beiden Pfarrer nicht mehr so präsent sein können wie bisher, ergeben sich Änderungen auch im Gottesdienstplan.

Aufgaben werden übertragen, umorganisiert oder eventuell ganz eingestellt. Die Abgrenzungen zwischen den beiden Gemeindebezirken flexibel gehandhabt werden. Wenn Herr Brenner z. B. eine Andacht in Boppard hält, kann er nicht in St. Goar sein, und wenn Herr Krammes in der Klinik Besuche macht, ist er für die Gemeindeglieder nicht erreichbar.

Entlastung der Pfarrer

Im Presbyterium wurde überlegt, wo die Pfarrer entlastet werden können.

Zuerst kam man darauf, die Gruppen im Konfirmandenunterricht zusammenzulegen. Was wir im Bereich Oberwesel schon länger haben, dass die Jugendlichen in einer Gruppe gemeinsam unterwiesen werden, wird jetzt auch in Werlau, Biebernheim und Holzfeld praktiziert. Es ist einfach zu aufwendig für drei Jungen und Mädchen in Biebernheim oder Werlau eine eigene Gruppe zu bilden. Auch von der unterrichtlichen Gestaltung her ist es sinnvoll zusammenzufassen, um moderne Arbeitsweisen wie Gruppenarbeit, Rollenspiel usw. einsetzen zu können. Für 20 Jungen und Mädchen aus beiden Bezirken (mehr sind es nicht mehr), die in diesem Jahr zum Konfirmandenunterricht angemeldet wurden, wird eine Gruppe gebildet. Die Wahl des Ortes sollte dabei jedes Mal überprüft werden, um möglichst zentral zu arbeiten. Klar ist, dass für die Eltern Belastungen durch die Anfahrt entstehen.
Ohne Bildung von Fahrgemeinschaften wird das wohl nicht zu bewerkstelligen sein. In welchen unserer Kirchen dann die Vorstellung der Konfirmanden, die Konfirmation selber oder der Dankgottesdienst erfolgen sollen, muss wohl jeweils nach den Zusammensetzungen der Gruppen entschieden werden.

Dieser Prozess wird sicherlich nicht ganz reibungslos ablaufen, und so manches Mal wird gefragt werden, warum der Konfirmandenunterricht nicht mehr im Ort stattfinden könne? Ein kleiner Trost an der Sache ist, dass die Gemeinde so schneller zusammenwachsen wird. Das ist wichtig, wenn man daran denkt, dass wir in unserer Gemeinde in einigen Jahren nur noch eine Pfarrstelle haben werden.

Eine weitere Möglichkeit, die Pfarrer zu entlasten, wäre sicherlich bei Andachten, Orgelvespern u. ä. Prädikanten oder Presbyter zu bitten, diese Aufgaben zu übernehmen.

Besuchsdienst

Zu überlegen ist, wie der Besuchsdienst aufrecht erhalten werden kann oder reduziert werden muss. So wurde im Presbyterium überlegt, ob es auch im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung nicht sinnvoll ist, auf die Gratulation bei runden Geburtstagen zu verzichten. Ein anderer Vorschlag zielt darauf ab, eine Gruppe von Gemeindegliedern aufzubauen, die Haus- und Krankenhausbesuche übernimmt. Die Diakoniekirchmeisterin Frau Beckel aus Oberwesel wäre bereit, diese Arbeit zu unterstützen. Frauen und Männer, die diese Arbeit ebenfalls mittragen möchten, wenden sich bitte an das Gemeindebüro oder Frau Beckel persönlich.

Gemeindebrief „DIE STIMME“

Auch bei der Gestaltung des Gemeindebriefes DIE STIMME könnte die Mitarbeit aus der Gemeinde heraus gesteigert werden. Textbeiträge und Bilder werden von Pfarrer Brenner gerne angenommen und in unser Gemeindeblatt eingearbeitet.

Es wird also einige Veränderungen in unserer Gemeinde geben, schön wäre es, wenn sich künftig mehr Gemeindemitglieder in die aktive Mitarbeit an diesem oder jenem Platz einbringen würden.

Presbyter Jürgen Hein



Die Kirche bleibt im Dorf.

Aber …

Nun sind die von der Landeskirche und den Synoden beschlossenen Änderungen zum Pfarr­dienst auch in unserer Gemeinde angekommen. Da unsere Pfarrer nun zusätzliche Aufgaben au­ßerhalb der Gemeinde übernehmen, steht der Gemeinde ab sofort rein rechnerisch nur noch et­was mehr als eine Pfarrstelle zur Verfügung. Das hat Konsequenzen für die Anzahl der Gottes­dienste, denn ein Gottesdienst will vorbereitet sein, und das braucht Zeit.

Die besondere Struktur unserer Gemeinde mit ihren fünf Predigtstätten führt dazu, dass die nötige Anpassung drastisch ausfällt. Das Presbyterium hat beschlossen, dass in Zukunft in der Regel an einem Sonntag insgesamt zwei Gottesdienste angeboten werden. Davon ausgenommen sind die großen Feste im Kirchenjahr, an denen wie bisher jede Predigtstät­te bedient wird, sowie die traditionellen Zentral­gottesdienste zu den Festen im Sommer, die wir beibehalten wollen. Die Umsetzung dieser Kon­zeption finden Sie im Gottesdienstplan am Ende dieser Ausgabe.

Davon Abschied nehmen zu müssen, dass jeden Sonntag zur gewohnten Zeit in der vertrauten Kir­che ein Gottesdienst stattfindet, wird manchen schmerzen. In Zukunft heißt es, flexibel zu reagie­ren, in den Predigtplan zu sehen und sich dann auf den Weg zu machen. Das erfordert ein wenig Vorplanung, aber die Wege sind ja kurz, nur we­nige Kilometer zur nächsten Kirche. In anderen Bereichen unseres Lebens, z. B. beim Einkauf, haben wir uns an diese Mobilität schon lange ge­wöhnt. Warum sollte das nicht auch beim Gottes­dienstbesuch gelingen? Die Konzentration auf das mit den vorhandenen Kräften Machbare ist ja nicht nur Verlust, sondern auch Chance und Auf­bruch. Wer sich auf den Weg macht, kann etwas entdecken, die Vielfalt unserer Gotteshäuser mit ihrem besonderen Charakter, Gemeinschaft mit Menschen, die wir nicht wahrnehmen, wenn wir nur in „unsere“ Kirche gehen.

Wir haben uns bemüht, die Gottesdienste so zu verteilen, dass keiner zu kurz kommt, und bitten Sie die Wochen bis Weihnachten als Probephase zu betrachten, in der wir gemeinsam ausprobie­ren, wie sich die neue Konzeption bewährt, wo Mängel sind, die abgestellt werden können, und wo besondere Wünsche bestehen, die befriedigt werden sollen, z. B. durch ein verstärktes Ange­bot an Gottesdiensten am Samstagabend.

Wenn Sie Wünsche und Anregungen haben, sprechen Sie mit Ihrem Pfarrer, mit einem Ihnen bekannten Presbyter oder schicken Sie eine Nachricht an unser Gemeindebüro. Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung, denn das hilft uns, nicht nur einen Mangel zu verwalten, sondern die Zukunft zu gestalten.

Prädikant und Presbyter Dr. Volker Enkelmann



Gemeindeversammlung 2009

Rückblick

Am Freitag, dem 04. September 2009, hatte das Presbyterium die Gemeindeglieder der Evangeli­schen Kirchengemeinde St. Goar zu einer Ge­meindeversammlung in die Krypta der Stiftskirche in St. Goar eingeladen. Diese Versammlung wur­de notwendig, weil verschiedene Umstrukturie­rungsmaßnahmen unumgänglich geworden sind. Zunächst erläuterte Pfarrer Krammes die demo­grafische Gesamtsituation der Evangelischen Kir­che im Rheinland. Von den dadurch vorzuneh­menden intensiven Einschränkungen im Pfarr­dienst ist nun auch die Evangelische Kirchenge­meinde St. Goar betroffen.

Pfarrer Krammes wird zusätzlich zum Pfarrdienst im 1. Bezirk der Evangelischen Kirchengemeinde St. Goar die Seelsorge an den Mittelrheinkliniken und im Seniorenheim in Oberwesel übernehmen. Darüber hinaus wird er wie bisher den Religions­unterricht in den Grundschulen in Oberwesel und St. Goar erteilen.

Zusätzlich zum Pfarrdienst im 2. Bezirk unserer Kirchengemeinde übernimmt Pfarrer Brenner zu­künftig auch Aufgaben in der Evangelischen Kir­chengemeinde Boppard. Er ist dort in den Senio­renheimen Mühlbad und Heilig-Geist für Gottes­dienste, Seelsorge und Amtshandlungen zustän­dig. Daneben betreut er seelsorglich das Boppar­der Krankenhaus, das Haus Niedersburg sowie die Kurklinik Bad Salzig und beteiligt sich an der gottesdienstlichen Versorgung von Bad Salzig und Boppard.

Pfarrer Hans-Dieter Brenner

Altarschmuck zum Erntedankfest

Die Bildzusammenstellung auf der Umschlag-Rückseite zeigt den Altarschmuck in unseren Kirchen im Jahr 2008. - (Red)

Die nächste "Stimme"

erscheint als Herbst/Winter-Ausgabe zum Advent wieder mit gewohntem Inhalt mit Berichten von besonderen Gottesdiensten, Gemeindeveranstaltungen und Hinweisen auf geplante Veranstaltungen. - HDB