Geschichte Biebernheims - Ort und Kirche


Vor 300 Jahren wurde Biebernheim fast vollständig zerstört !

Durch die schutzlose Lage im Vorfeld der Festung Rheinfels war Biebernheim von Kriegsereignissen immer hart betroffen. Es war Aufmarsch- und Belagerungsgebiet der angreifenden feindlichen Truppen.
Anlass zu den Kriegsereignissen waren : Auseinandersetzungen um den Rheinzoll, sehr oft Erbstreitigkeiten unter den Hessischen Fürstenhäuseren, und Eroberungskriege der Franzosen.
Über eine Belagerung von Rheinfels, die sich vor 300 Jahren ereignete, soll hier berichtet werden :

Ludwig XIV von Frankreich hatte sich in seinem 3. Raubkrieg vorgenommen die Festung Rheinfels zu erobern, um dann nach Koblenz und Mainz verstoßen zu können. Eine Streitmacht von 28.000 Soldaten, ausgestattet mit Geschützen, Mörsern und über 1.000 Wagen Munition und Proviant, standen hierfür unter dem Oberbefehlshaber Graf Tallard bereit.
Die Vorhut traf am 16.12.1692 über den Hunsrück kommend vor Biebernheim ein. Am nächsten Tag begannen die Kämpfe.
Die hessischen Verteidiger der Festung, durch abgefangene Briefe über die Absicht der Franzosen informiert, hatten sich auf harte Kämpfe eingerichtet. Eine Besatzung von 4.000 Mann unter dem Oberbefehlshaber General-Major Görz, 3.000 Mann Reserve auf der rechten Rheinseite und ein in Eile anrückendes Ersatzheer erwarteten die Franzosen.
Die von beiden Seiten mit aller Härte geführten Kämpfe wurden durch heftigen Artilleriebeschuß unterstützt. Den Verteidigern gelang es, alle Angriffe der Franzosen abzuschlagen und sie angesichts der herannahenden Ersatzheeres am 2. Januar 1693 zum Rückzug zu zwingen.
Die Franzosen hatten 1/3 ihrer Belagerungsarmee an Toten und Verwundeten verloren. Auch die Hessen hatten Verluste, aber sie feierten ihren Sieg überschwänglich.

Die Folgen für Biebernheim - hierzu schreibt Knab in seinem Buch St. Goar - Ein rheinisches Heimatbuch : » Die Franzosen verbrannten das ( ihr ) Lager, das Dorf Biebernheim ... um drei Uhr zogen sie durch den Stadtwald nach Pfalzfeld ab ... «
Als die vor den Kampfhandlungen geflüchteten Dorfbewohner von der anderen Rheinseite zurückkehrten, fanden sie nur noch rauchende Trümmer vor. In den folgenden Jahren mussten sie das Dorf mühsam wieder aufbauen.

Auch unsere alte evangelische Kirche wurde ein Raub der Flammen. Sie brannte fast bis auf die Grundmauern ab.


Geschichte der Kirche in Biebernheim

Die Biebernheimer hatten schon sehr früh ein eigenes Gotteshaus. Über seine Erbauung liegen leider keine Unterlagen vor. Wahrscheinlich sind sie, wie auch die alten Kirchenbücher, in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verloren gegangen. Urkundlich erwähnt ist, daß der Landgraf von Hessen schon 1496 einen Priester für Biebernheim ernannte. Rechnungen aus den Jahren 1675 - 1677 berichten von Reparaturen an der Kirche, welche ein Wohltäter bezahlte. Der jetzt noch vorhandene Abendmahlsbecher wurde damals erworben.

Während der großen Belagerung der Festung Rheinfels, um die Jahreswende 1692/93, brannte die Kirche fast bis auf die Grundmauern ab.
Beim Wiederaufbau, welcher in den folgenden Jahren unter den Pfarrern Johann Andreas Kröckius und Gisbert Peter Frowein erfolgte, benutzte man die alten Grundmauern und stehengebliebene Mauerteile.
Das reich gegliederte, achitektonisch sehr ausgewogene Schieferdach, welches schon vor über 100 Jahren von Fachleuten als ein gelungenes Werk des Dachdecker- und Zimmerhandwerks bezeichnet wurde, sowie das den Innenraum überspannene, schöne Gewölbe aus einer Holzkonstruktion und verputztem Pliesterwerk wurden damals hergestellt. Die verputzten Mauern aus Schieferbruchsteinen verzierte man außen mit Quergesimsen und aufgemalten Eckquadern. Auch das Kirchengestühl stammt vorwiegend aus dieser Zeit.

Eine Orgel besitzt die Kirchengemeinde seit 1835. Damals erwarb sie ein gebrauchtes Instrument, welches 1858 durch die noch heute vorhandene Orgel ersetzt wurde. Aufgestellt war sie bis 1923 auf einer Bühne im Chor (hinter dem Altar), welche bei Anschaffung der ersten Orgel hergestellt worden war.

Der Glockenstuhl bedurfte im Jahre 1891 einer gründlichen Reparatur. Da die größere der 1720 aufgehängten Glocken gerissen war, ersetzte man beide durch neue Gußstahlglocken in den Tonlagen D und F. Die Glocken tun heute noch ihren Dienst.

Unter Leitung des bekannten Kölner Baumeisters Withase erfolgte im Jahre 1893 eine Geamtrenovierung der Kirche. Zur Erhaltung dieser, in ihrer Gestaltung sehr schönen kleinen Dorfkirche bewilligte die damalige Rheinprovinz die für diese Zeit sehr hohe Summe von 4000 Reichsmark, und die Provinzialsynode weitere 500 Reichsmark. Die Gesamtkosten betrugen 5200 Reichsmark; die Restsumme von 700 Reichsmark brachte die Kirchengemeinde auf. Das Mauerwerk der Südwestseite lag ehemals ca. 2,50 m im Erdreich. Bei der Renovierung errichtete man eine Stützmauer und legte es frei.

Der Anbau des Sälchens, auf der Südseite, erfolgte im Jahre 1923. Darüber, hinter den Sitzplätzen der Männer, erhielt die Orgel ihren jetzigen Platz. Nach dem Abbruch der alten Orgelbühne war nunmehr eine Neugestaltung des Chorraums möglich. Dessen Ausmalung und die des neuen Sälchens führte der bekannte Koblenzer Maler Oskar Raber im Jahre 1927 aus.
Die jetzt vorhandene, dekorative Deckenbemalung im ursprünglichen Renaissancestil stammt aus dem Jahre 1956.

Zur Kirche gehörte noch nie ein eigenes Pfarhaus. Die seelsorgerische Betreuung geschah durch Pfarrer des St. Goarer Stiftes, welche, da Biebernheim keine volle Pfarrstelle war, noch Nebenämter, z.B. als Rektor der St. Goarer Lateinschule ausübten. Auch ihre Besoldung bezogen die ehemals vom Stift, welches auch heute noch die Pfarrwohnung stellt. Auffällig ist, daß die Pfarrer oft wechselten.

Ab 1806 hatten die Biebernheimer, zusammen mit Urbar und Niederburg, ein eigenes Presbyterium. Seit 1970 bildet das Gebiet unserer Verbandsgemeinde und der Ort Holzfeld eine gemeinsame Kirchengemeinde. Zur Zeit betreut der zuständige Pfarrer Brenner neben Biebernheim mit Urbar und Niederburg auch Werlau und Holzfeld mit Rheinbay. -

Evangelische Kirchengemeinde St.Goar (Hg), "Die Stimme" - Ausgaben Winter 1992/93 und Frühjahr 1993

Willi Lips