Pfr. Hans-Dieter Brenner - (www.ev-kgm-stgoar.de - 2003/04),

Die neue Werlauer Kirche

Maßnahmen zur Ausstattung, Pflege und Instandhaltung in der Zeit von ihrer Indienstnahme 1907 bis zur Grundrenovierung 1998.



0.1 ) - Vorbemerkungen

Zur Einrichtung der neuen Kirche werden die brauchbaren Ausstattungsstücke aus der alten Kirche übernommen. Dies ist z.T. aus der Gemeindegeschichte von Pfr. Over überliefert. Stellenverweise zu Zitaten hieraus werden im Folgenden direkt als Klammerbemerkungen angefügt.
Einige der Ausstattungsgegenstände geben durch direkt angebrachte Inschriften Auskunft über ihre Herkunft.
Weitere Regelungen zur Instandhaltung, Pflege und Betreuung des Gebäudes und der Ausstattung lassen sich aus den Protokollbüchern der Kirchengemeinde entnehmen. Nachfolgend verweisen Datumsangaben am Absatzbeginn auf die zum Folgetext gehörigen Fundstellen in den Protokollbüchern des Presbyteriums.



1.0 ) - Gebäude

» Nach den von den hohen kirchlichen und staatlichen Behörden genehmigten Entwürfen des Architekten Bernhard, St. Goar,« wurde die » Kirche an der Stelle der alten Kirche, mit einem Kostanaufwand von 35000 Mk. gebaut « (s. W.Over, Geschichte .., S. 28).

» Die im Jahre 1861 angeschaffte Orgel und die im Jahre 1900 neubeschafften 3 Glocken der alten Kirche « (s. W.Over, Geschichte .., S. 28) wurden », wie auch die Kanzel, beim Neubau verwandt.«
» Der in Stein gehauene St. Georg, ... Schlußstein des Bogens « (s. W.Over, Geschichte .., S. 19) aus der alten Kirche wurde in die Balkonbrüstung der Orgelempore, eingesetzt.
» Ein alter Grabstein aus dem Jahre 1337, welcher jetzt in der Wand des Seitenschiffes eingelassen ist, stellt eine Frauengestalt dar, welche als Lucurdia uxor Domini Bredili de Wele bezeichnet wird « (s. W.Over, Geschichte .., S. 8), wurde ebenfalls in die neue Kirche übernommen.

Die Gemeinde hat sich für ihre Kirche mit Geld- und Sachspenden großzügig engagiert. So z.B. wurde das Kirchenfenster im Chorraum von der Werlauer Familie Vollrath gestiftet (s. Fenster-Inschrift).

Offensichtlich ist das Gebäude von Anfang an versichert, denn aus einem Presbyteriumsbeschluß vom 22.05.1924 geht hervor, daß die Versicherungssumme für die Kirche angeglichen werden muß.

14.07.1954 - Es wird beschlossen, an der Kirche einen Blitzableiter anzubringen.

29.04.1969 - Die Neueindeckung des Kirchendaches wird erforderlich; es soll ein Kostenvoranschlag eingeholt werden.
14.10.1969 - Beim Kreissynodalvorstand wird für die Neueindeckung des Kirchendaches ein Zuschuß beantragt..


1.1 ) - Innenraum

10.02.1908 - Zur Pflege der Kirche wird beschlossen : » Das Reinigen der Kirche soll in der Weise vorgenommen werden, daß im Jahre 6 mal aufgenommen und 6 mal gekehrt werden soll.«

11.04.1909 - Die größere Gemeindevertretung bespricht die Entwürfe für die Ausmalung der Kirche und beauftragt Pfr. Over mit den Verhandlungen.

30.04.1956 - Die Kirchenleitung wird um einen Zuschuß für die Ausmahlung der Kirche gebeten, da dies nach 50 Jahren nötig geworden ist.

01.03.1957 - Die Kostenermittlung für den Innenanstrich der Kirche wird in Angriff genommen.

27.12.1968 - Der Glockenturm wird mit einer Tür versehen, um Zugluft in der Kirche zu vermeiden.


1.2 ) - Heizung

29.10.1928 - Eine Untersuchung der Kirchenheizung hat das Ergebnis, daß der Ofen nicht mehr repariert werden kann. Es soll ein Kostenvoranschlag zur Errichtung einer neuen Heizung eingeholt werden.

13.11.1928 - Es wird eine Neuanschaffung des Ofens nach einem anderen Angebot in Höhe von RM 693,- beschlossen.

18.11.1928 - Die größere Gemeindevertretung stimmt der Neuanschaffung des Ofens zu.

01.03.1957 - Die Kostenermittlung für die Planung einer Elektroheizung wird in Angriff genommen; der Einbau erfolgt nach Abschluß der Planung.

29.03.1994 - Die ortsansässige Firma Elektro Stockter wird mit der Instandsetzung der elektrischen Heizung beauftragt.
Es zeigt sich, daß die Zuleitungen dringend erneuert werden müssen; für altersbedingt ausgefallene Heizstäbe ist eine Ersatzbeschaffung nicht mehr möglich, da dieses System nicht mehr hergestellt wird. Eine Instandsetzung erfolgt notdürftig mit den noch intakten Teilen.
Bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt ist ein hinlängliche Beheizung der Kirche nicht mehr möglich; die Gottesdienste werden dann im Gemeindehaus gehalten.

Eine Erneuerung der Elektroheizung wird nicht mehr vorgenommen, da der Energiekosten sparende Einbau einer Gasheizung beabsichtigt wird, sobald die Kirche an die neuerrichtete Gasversorgung angeschlossen werden kann .


1.3 ) - Beleuchtung

02.11.1926 - Nach ausgiebiger Beratung wird beschlossen, daß für die Kirche soll eine elektrische Beleuchtung beschafft werden soll.

28.11.1926 - Im Entwurf für die Installation der elektrischen Beleuchtung der Kirche werden aus Kostengründen unnötig erscheinende "Brennstellen" gestrichen.

01.12.1926 - Der Einbau der Elektrischen Beleuchtung wird dem neu vorgelegten Installationsentwurf entsprechend beschlossen.

13.03.1929 - Es wird beschlossen, daß in der Kirche zusätzlich eine freihängende elektrische Lampe angebracht werden soll; dem Antrag des Elektrizitätswerkes die Befestigung des Haltedrahtes durch einen in der Mauer der Kirche eingelassen Bolzen vorzunehmen, stimmt das Presbyterium gleichzeitig zu.


2.0 ) - Ausstattung

10.02.1908 - Es wird beschlossen, die alte Altardecke für M 5,- zu verkaufen und eine neue anzuschaffen.

26.11.1930 - Die Einführung des neuen Gesangbuches wird für Palmsonntag 1931 beschlossen. Es soll der Gemeinde Gelegenheit zur Teilnahme an Sammelbestellungen gegeben werden.


Pfr. Börner

16.11.1969 - Die Anschaffung von 50 neuen Gesangbüchern (EKG) wird beschlossen .

Mit der Gesangbuchreform 1996 wurde die Kirche mit neuen Gesangbüchern (EG) ausgestattet. Altar und Kanzel wurden mit Paramenten in den Farben des Kirchenjahres versehen.

Anläßlich der Feier einer Goldenen Hochzeit wurde Ende 1997 eine neue Altardecke gestiftet.


2.1 ) - Taufgerät

Das seinerzeit noch fast neue Taufgerät wurden aus der alten Kirche übernommen, es war vom damaligen "Frauenkreis" gestiftet. Die Taufschale trägt die Gravur : »Zum Jahresfest der Frauenhülfe gewidmet vom Frauen- und Jungfrauenverein Werlau 1904«; die Taufkanne trägt die Inschrift : »Marc 16, 16« und im Fuß die Gravur mit der Herstellerangabe : »Kunstanstalt der Berliner Stadtmission«



2.2 ) - Abendmahlsgerät

Zur Einweihung der neuen Kirche wird auch neues Abendmahsgerät angeschafft. Der Kelch trägt nur ein Kreuzeichen, dazu gehören zwei Kannen, die beide mit der gleichen Inschrift versehen sind : »Matth 26, 28«. Die eine der Kannen trägt im Fuß die Gravur : »Zur Kirchweih 1907 gewidmet vom Presbyterium«, die andere der Kannen trägt im Fuß die Gravur : »Zur Kirchweih 1907 gewidmet von der Schwestergemeinde Holzfeld«

25.06.1911 - Da ein neues Abendmahlsgerät angeschafft und in Gebrauch war, beschließt das Presbyterium, daß » ... dem Pfarrer die « - alten - » zinnernen Abendmahlsgeräte als Eigentum zufallen « sollen.


3.) Orgel

» Die im Jahre 1861 angeschaffte Orgel « (s. W.Over, Geschichte .., S. 28) wurde aus der alten in die neue Kirche übernommen

16.04.1925 - Die dringend notwendige Reparatur der Orgel wird beschlossen, im Zuge dieser Maßnahme sollen auch die im Krieg abgelieferten Orgelpfeiffen (s.u.) ersetzt werden.

08.10.1925 - Für die Orgel wird ein Wartungsvertrag (Oberlinger) abgeschlossen, der jährliche Stimmung beinhaltet.

01.07.1949 - Es wird beschlossen bei der anstehenden Reparatur der Kirchenorgel ein elektrisches Gebläse einbauen zu lassen

15.11.1962 - Für die Orgel soll ein neuer Wartungsvertrag geschlossen werden.

Die Orgel ist 1974 wieder in einem sehr schlechten Zustand, so daß beschlossen wird, sie gründlich zu renovieren.

22.01.1975 - Die Renovierungsarbeiten an der Orgel werden von der beauftragenten Firma mehrfach verschoben. Während der Arbeiten zeigt sich, daß der Aufwand um ca. DM 7.500,- höher liegen wird, als angenommen. Der auf Grund der Gemeindezusammenlegung zur Evangelischen Kirchengemeinde St.Goar eingesetzte Bevollmächtigtenausschuß, der die Kirchengemeinde stellvertretend bis zur nächsten Presbyteriumswahl leitet, stimmt der Angebotsüberschreitung zu, da man die Orgel in den bestmöglichen Zustand versetzen möchte.


4.) Glocken

Die im Jahre 1900 neubeschafften 3 Glocken der alten Kirche « (s. W.Over, Geschichte .., S. 28) wurden in die neue Kirche übernommen.
Im 1. Weltkrieg müssen - wie in anderen Kirchengemeinden auch - Glocken und Orgelpfeifen aus Werlau zur Metallgewinnung abgegeben werden.

14.10.1917 - Für die beiden abgeliefterten Kirchenglocken ist die Kirchengemeinde mit M 2.700,- entschädigt worden.
Bei den abgelieferten Glocken muß es sich um die 2. und 3. Glocke handeln, da man eine Glocke mit 453 kg 1922 (s.u.) an die Gemeinde Dörrenbach verkauft hat.
Die Gemeindeversammlung entscheidet sich dazu, das Geld nicht zu weiteren Tilgung des Bausdarlehens einzusetzten, sondern den Betrag auf die 7. Kriegsanleihe zu zeichen, da somit ein höherer Ertrag erwirtschaftet werden könne, als dies bei den Zinseinsparungen möglich wäre.

16.06.1918 - » Der Bürgermeister teilt im Auftrag der Metallmobilmachungsstelle mit, daß die Glocken unserer Gemeinde irrtümlich für 600 statt für 300 kg vergütet seien, und bittet, den zuviel gezahlten Betrag von M 1.350,- der Gemeindekasse St.Goar überweisen zu wollen. Jedoch weist die Gewichtsangabe durch die Firma FJ Schilling für die abgelieferten Glocken 339 kg nach, es soll daher der Betrag für die überschießenden 39 kg = M 175,50 von dem zurückgeforderten Betrag abgezogen und nur M 1.174,50 bezahlt werden. Abgesehen davon, daß die Zahl des Wiegezettels der Stadt höchst undeutlich ist, ist nicht ausgeschlossen, daß überhaupt ein Irrtum beim Wiegen vorliegt, da das Mitglied G. Lang, Fuhrmann, sich erinnert, daß sein Wagen im Gewicht von 45o kg mitgewogen wurde, was aus dem Wiegeschein nicht hervorgeht. Umsomehr scheint die Gewichtsangabe der Firma maßgebend.«

16.02.1919 - Die größere Gemeindevertretung berädt unter anderem : » Nach einer Notiz in der Kölner Zeitung können Kirchenglocken, welche noch nicht zerschlagen wurden, den Gemeinden auf Antrag zurückerstattet werden. Es soll der Versuch gemacht werden, die nicht zerschlagene Glocke zurückzuerhalten.«

22.05.1920 - Es liegt ein Angebot des Hofglockengießermeisters Franz Schilling, Apolda/Thüringen über 3 neue Glocken vor:
eine Glocke = 453 kg - Tonart »a« / eine Glocke = 209 kg Tonart »cis« / eine Glocke = 130 kg Tonart »e«.
Zu einem kg-Preis von 2,50 Mark für eine Bronzelegierung »78% bestes Kupfer und 22% Banka Zinn. Gesamtkosten einschl. Joch, Klöppel etc. sowie einem eisernen Glockenstuhl (914 kg) = 2.547,16 Mark. Eine alte Glocke im Wert von = 520,00 Mark kann in Zahlung genommen werden. - Inflationsbedingt ändern sich die Preisvorgaben ständig

JAN - 1922 beginnt man mit der Vorbereitung zur Wiederbeschaffung der Glocken.

12.03.1922 - Die größere Gemeindevertretung beschließt die Anschaffung eines komplett neuen Geläutes in der ehemaligen Stimmung mit Klangstahlglocken, dentsprechend des vorliegenden Angebotes der Fa. Schilling und Nattermann aus Apolda in Thüringen : eine Glocke = 600 kg - Tonart »a« / eine Glocke = 300 kg Tonart »cis« / eine Glocke = 180 kg Tonart »e«. - Gesamtpreis aller 3 Glocken freibleibend 34.980,00 Mark; auf Bronzeglocken wurde aus preislichen Gründen verzichtet.
Man plant zunächst, die noch vorhandene, große Bronzeglocke soll zum Preis von M 20.385,- in Zahlung gegeben werden. Zu den verbleibenden Kosten von M 14.595,- kämen dann noch die Transportkosten hinzu.
Es wird beschlossen, daß zur Finanzierung der Kosten bei der Kreissparkasse St.Goar ein Darlehen von M 15.000,- aufgenommen werden soll, das jährlich mit M 3.000,- unter Verwendung der Spenden aus dem Glockenfonds zu tilgen sei.
Später entschließt man sich jedoch, die eine noch vorhandene Bronzeglocke an die Ev. Gemeinde Dörrenbach, Post Fürth im Saargebiet, zu einem Sonderpreis von damals 80,- M/kg verkaufen.
Durch den Beginn der Inflation gab es laufend Preiserhöhungen und Schwierigkeiten bei der Gießerei (Materialbeschaffung). Die Lieferzeit betrug ursprünglich 3 Monate. Die Glocken wurden jedoch am 16.08.1922 gegossen und kosteten dann M 63,-/kg x Gesamtgewicht 1080 kg = M 68.040
Die Klangprüfung erfolgte durch den Musikdirektor Dörr im Werk. Die
Lieferung der Glocken erfolgte im September 1922. Aus einem Schreiben der Gießerei geht hervor, daß zu diesem Zeitpunkt das Kilo Stahlguß bereits 140,- DM gekostet hätte.
Wegen dem Verkauf der Bronzeglocke gab es mit der Kirchengemeinde Dürrenbach Streitereien. Zum Schluß hat man sich geeinigt, die Glocke zu einem Preis von 46.240 M. abzugeben.
Die Glocken trafen am 13.09.1922 in St. Goar mit der Bahn ein.

29.04.1969 - Es wird beschlossen eine elektrische Läuteanlage zu installieren. Die Finanzierung kann über ein Darlehen erfolgen; die Zivilgemeinde ist weiterhin bereit, wie bisher für das "zivile" Läuten DM 480,- jährlich zu erstatten.


5.) Außenanlage

26.01.1909 - Das Presbyterium beschließt : » Die beim Bau der Kirche eingegangenen Bäume sollen ergänzt werden.«

16.05.1929 - Es wird beschlossen, den Zugang zur Kirche über den Pfarrhof pflastern zu lassen, nachdem wegen seiner Glätte wiederholt Personen zu Fall gekommen sind.

19.09.1951 - Nach Aussprache wird auf Antrag Pfr. Börners vom Presbyterium einstimmig beschlossen, » ... die zur Kirche führenden drei Tore wieder mit Schlössern zu versehen, um dem Gelaufe um die Kirche ein Ende zu machen.«

13.07.1967 - Es wird festgestellt, daß die Wege zu Kirche und Gemeindehaus werden in Ordnung gebracht werden müssen.

16.05.1968 - Es wird beschlossen, die Einfahrt zu Kirche und Gemeindehaus mit Verbundpflaster auszulegen.


Schließlich - stellt sich 1994/95 Jahre heraus, daß sich nach nun fast 80 Jahren so viele Mängel an Gebäude und Ausstattung eingestellt haben, daß die Durchführung vieler verschiedener Teilrenovierungmaßnahmen nicht mehr sinnvoll erscheint und eine Grundrenovierung angestrebt werden sollte
Der ortsansässige Architekt Rudolf Ackermann wird mit der Planung und Organisation der nötigen Maßnahmen beauftragt. (-ß-)