Werlau

Die Entwicklung in der Zeit
zwischen dem
100-jährigen Kirchenjubiläum 2007
und der
Bezirkszusammenlegung 2017

Im Dezember 2007 hat die Evangelische Kirchengemeinde in Werlau das Jubiläum der Wiedererrichtung ihrer St. Georg-Kirche vor einhundert Jahren gefeiert und mit einem umfangreichen Festprogramm Bilanz in einem aktiven Gemeindeleben gezogen.

Doch schließlich führen auch hier die allgemein einsetzenden Veränderungen in der demographischen Entwicklung zu spürbaren Einschnitten in den bis dahin gewohnten Selbstverständlichkeiten der Werlauer Kirchengemeinde.

Der traditionell in Werlau bestehende Frauenkreis hatte sich zwar 1994 mit einer Gruppenmitgliedschaft der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland angeschlossen, diese aber 2000 wieder aufgelöst. Im Herbst 2008 gelangten die Frauen dann endgültig an eine nicht mehr überwindbare "Altersgrenze" und stellten die bis dahin im Winterhalbjahr regelmäßig stattfindenden Treffen am Mittwochnachmittag ein.

Ein den Kreis "verjüngender" Generationenwechsel ist nicht zustande gekommen, da sich die Frauen der Folgegeneration nicht zuletzt wegen zunehmend veränderter Freizeitstrukturen, durch eigene Berufstätigkeit eingeschränkt, die Treffen an den Nachmittagen nicht wie bisher fortsetzen konnten. Stattdessen gaben sie einer Organisation bei den Landfrauen konfessionsübergreifend und kräftebündelnd den Vorzug.
Erfreulicherweise bleibt hier eine Verbindung zur Kirchengemeinde bestehen und findet ihren Ausdruck in der Kooperation bei besonderen Veranstaltungen der Frauennachmittage im Frühjahr und der Seniorenweihnachtsfeier im Advent.

Der gleiche Prozess, der zu der Einstellung der Frauenkreisarbeit geführt hat, macht sich auch in der sonntäglichen Gottesdienstpräsenz der Gemeinde bemerkbar; in den kommenden Jahren nimmt der ehedem sehr gute Gottesdienstbesuch in Werlau stetig ab.

Der aus Werlau stammende Frank Stüber versieht zwar nach Abschluss seiner Ausbildung einige Jahre den Organistendienst in Oberwesel, verlässt dann aber aus beruflichen Gründen die Region.

Ein massiver Einschnitt erfolgt im kirchlichen Alltagsbetrieb, da die vom Kirchenkreis veranlasste Umstrukturierung der Pfarrstellenstruktur in den Gemeinden umgesetzt werden muss. Hierdurch wird 2009 die dienstliche Präsenz von Pfr. Hans-Dieter Brenner eingeschränkt, als mit der Evangelischen Kirchengemeinde Boppard, die ihrerseits durch den Wegfall der 2. Pfarrstelle eine spürbare Reduzierung des Pfarrdienstes zu verkraften hat, ein Kooperationsvertrag geschlossen wird. Demzufolge obliegt dem Pfarrer des 2. St. Goarer Bezirks zusätzlich die Seelsorge in den Diakoniehäusern Mühlbad, Belgrano, Niedersburg, dem Krankenhaus und der Bad Salziger Kurklinik und die Beteiligung an Amtshandlungsvertretungen und im Predigtdienst der Bopparder Kirchengemeinde.

Der Konfirmandenunterricht wird nun nicht mehr in den Ortsteilen angeboten, sondern für alle Konfirmanden aus der Gemeinde konzentriert in St. Goar gehalten. Mit der Einstellung des örtlichen Unterrichts und dem bereits zuvor erfolgten Wegfall der Frauenkreisarbeit ist eine regelmäßige "pfarramtliche" Präsenz im Ort nicht mehr gegeben.

Weiterhin wirkt es sich auf die verbliebene Kinder- und Jugendarbeit insgesamt nachteilig aus, als auf Initiative von Pfr. Krammes aus dem 1. Pfarrbezirk St. Goar-Oberwesel die Kooperation der Kirchengemeinde mit der Regionalstelle für Jugendarbeit in Bacharach eingestellt wird. Damit entfällt die Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit, die von ehrenamtlichen Helferteams zuvor aufrecht erhalten wurde.

Da auf Grund der Umbruchsituation das Gemeindehaus nun kaum noch von Gemeindegruppen frequentiert wird, ergaben sich zwischenzeitliche Überlegungen zum Verkauf des Gebäudes. Diese wurden später wieder aufgegeben, um eine Einschränkung des Gesamtkomplexes mit der Kirche als mögliches Gemeindezentrum nicht unnötig vorschnell in Kauf zu nehmen, zumal die Betreuung dieser Gebäude zuverlässig möglich ist.
Die Besorgung des Evangelischen Gemeindehauses in Werlau lag in Händen von Hilde Junker vom Frühjahr 1991 bis Sommer 1998, zusätzlich von Gisela Zimmer vom Frühjahr 1996 bis Jahresende 2012 und von Birgit Kuhn ab Frühjahr 2000 ebenfalls bis Jahresende 2012, dann von Silvia Othold im Frühjahr 2013, von Melanie Müller von Herbst 2013 bis Herbst 2015 und von Tatjana Freund ab Winter 2015/16.
Der Küsterdienst an der Evangelischen St. Ge­org-Kirche Werlau wurde von Horst Junker (1991 bis 1998), von Annette Rösgen (1998 bis 2005) und seitdem von Hans Becker versehen.

Neben allen zu verkraftenden Einschränkungen zeigen sich aber auch durchaus stabile Felder in der Gemeindearbeit.

Nach wie vor besteht der vor vielen Jahren gemeinsam mit der Freien evangelischen Gemeinde gebildete Singekreis, derzeit unter der Leitung von Matthäus Huth, der zuverlässig u. a. die Heimatfestgottesdienste mit seinen Chorgesängen begleitet.

Im Rahmen der Frauenarbeit wird von Gudrun Kroll immerhin noch bis 2015 eine Mobilitätsgymnastik mit Veranstaltungen wie "Tanzen im Sitzen" oder Chi-Gong Kursen angeboten, die allerdings mit Erreichen ihres Ruhestandsalters einstellt werden.

Bis auf Weiteres beständig geblieben ist der Lektorenkreis, der für die Schriftlesung im Gottesdienst einsteht und seinen "Dienstplan" selbstständig organisiert. Hier sind Gerhard Hilgert, Hannelore und Herbert Merten, Marlene Spriestersbach und Emmeliese Stein mit Unterstützung von Küster Hans Becker aktiv, die alle auch zumindest zeitweise, in die Gremienarbeit der Kirchengemeinde eingebunden sind: Hannelore Merten und Emmeliese Stein im Diakonieausschuss, Gerhard Hilgert und Hans Becker im Stiftsrat, Herbert Merten im Presbyterium und verschiedenen Ausschüssen und Marlene Spriestersbach im Presbyterium, da auch als Diakoniekirchmeisterin und ab 2016 als Finanzkirchmeisterin.
Unabhängig vom Lektorenkreis arbeiten im Bau- und Finanzausschuss Armin Kuhn, zeitweise auch im Presbyterium, und Gerd Spriestersbach mit.
Ab 2016 engagiert sich Marlies Kirsch, die in jungen Jahren in Werlau die Orgel gespielt hat, im Diakonie-Ausschuss.

Die Besuchsdienstarbeit in Werlau wird seit langen Jahren für die Adventsbesuche von den Werlauer Diakonieausschussmitgliedern organisiert, bei den Geburtstagsbesuchen ist Pfr. i. R. Peter Schneider mit engagiert, der bereits 2005 von seiner letzten Dienststelle in Oberdiebach-Manubach nach Werlau gezogen ist.

Die noch bestehende Kinder- und Jugendarbeit im Ortsteil konzentriert sich nun auf die Aktivitäten des Helferkreises für Krippenspiel- und Kindergottesdienste. Marlene Spriestersbach, Belinda Fromm, Jessica Hitzel, Marina Postel und Melanie Müller bieten in der Adventszeit Bastelnachmittage an, sorgen für das Krippenspiel am Heiligabend und gelegentliche Kindergottesdienst-Angebote.

Neue Anforderungen an diakonisches Engagement stellen sich, als in Folge des syrischen Bürgerkrieges 2015 syrische und afghanische Asylbewerber in Werlau eingewiesen werden. Sich gegen allgemein-typische Ressentiments durchsetzend, findet sich sehr bald ein überkonfessionelles Betreuungsteam mit engagierten Gemeindegliedern ein, an dem sich landeskirchlich-evangelische, frei-evangelische, römisch-katholische und konfessionell-ungebundene Bürger aus dem Ort beteiligen. Zunächst wird ein Fahrdienst zur Ausgabestelle der Tafel in Oberwesel eingerichtet. Darüber hinausgehende Betreuung kann mit anfänglicher Unterstützung von Hilde und Horst Junker neben Kirchmeisterin Marlene Spriestersbach und Gerd Spriestersbach, sowie Irmgard Siemen und Josef Malassa organisiert werden, wobei in diesem Kreis auch Ute Müller und Berthold Trepke aus Holzfeld mit einbezogen sind.

Kurzzeitig kehrt "geregelter Schulbetrieb" in den Ort zurück, als für die Flüchtlinge ein Sprachkurs im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde angeboten wird, für dessen Durchführung die Lehrer im Ruhestand Klaus Henrich (Werlau), Helmut Pabst (Urbar), Hermann Pistorius (Oberwesel), Herbert Retterath (Niederburg) und Monika und Peter Schneider (Biebernheim) einstehen.

Das aus dem Öffentlichkeitsausschuss gebildete Redaktionsteam von Pfr. Hans-Dieter Brenner und Rektor i. R. Klaus Brademann erstellt den Gemeindebrief „DIE STIMME“ und betreut die Artikelsammlung auf der Webseite der Kirchengemeinde bis zum Eintritt in den Ruhestand von Pfr. Hans-Dieter Brenner.
Das letzte Projekt, die Geschichte der Werlauer Kirchengemeinde betreffend, ergab sich, als Pfr. Hans-Dieter Brenner im Frühjahr 2014 die "Kriegstagebücher" von Pfr. Rudolf Spieker durch Enkelin Dr. Kirsten Toepffer-Houben zugänglich gemacht wurden und in Kooperation mit der Archivstelle Boppard aufgearbeitet werden konnten.
Mit Erscheinen der STIMME-Ausgabe 2017/2 wird die bis dahin bestehende Redaktionsarbeit an ein Nachfolgeteam übergeben. - (HDB-2017)



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