Konz. d. Reg. JA

Konzeption der Regionalstelle für Jugendarbeit in den Südgemeinden Oberdiebach/Manubach – Bacharach/ Steeg – St.Goar des Kirchenkreises Koblenz – 1994

Vorüberlegungen / Ausgangsituation:

Der ländliche Raum in manchen Regionen steht zunehmend in Gefahr gerade für die junge Generation an Lebensqualität und Bedeutung zu verlieren. Besonders betroffen davon ist das Südende des Kirchenkreises Koblenz. Bedingt u.a. durch kleine Ortschaften wird Pendlertum hier früh wegen fehlender Ansiedlung von Industrie, Großgewerbe, Handel und entsprechender Arbeitsplätze von der jungen und der erwachsenen Bevölkerung abverlangt. Lediglich tourismusbedingte Saisonbetriebe, Kleinhandwerk und Weinanbau sind kennzeichnend für die wirtschaftliche Situation vor Ort.

Konkret gilt dies besonders für die strukturschwache Region im Süden des Kirchenkreises Koblenz. Die Umstände zwingen gerade hier Jugendliche immer mehr neben der von ihnen geforderten Mobilität für den Schul-, Ausbildungs- und Arbeitsbereich, auch im Freizeitbereich auf Angebote der entfernt liegenden Zentren wie z.B. in Mainz, Bingen und Koblenz auszuweichen.

Lebensweltorientierte und freizeitpädagogische Einrichtungen und Angebote für Kinder und Jugendliche sind in diesem Nahraum nicht in ausreichender Form vorhanden.Auch vereinzelt auftretenden Gefährdungspotentialen (wie z.B Drogen, rechtsradikale Erscheinungen, Gewalt) kann nicht entsprechend begegnet, rechtzeitig und präventiv entgegen gearbeitet werden. Kommunale jugendpflegerische Fachkräfte und Angebote fehlen und auch in freier Trägerschaft gibt es solche, die dies auffangen könnten, bisher nicht.

Darum ist eine Stärkung durch neue, aufsuchende Projektangebote freizeitpädagogischer, kultureller und medienpädagogischer Art nötig, die so den Lebensraum kleiner Orte ergänzen und aufwerten helfen.

Der Jugendarbeisverbund der Südgemeinden ist bemüht mit einer Fachkraft und entsprechenden Angebotsformen im Bereich von Kinder- und Jugendarbeit dazu beizutragen, die Entwicklungschancen junger Menschen zu verbessern. Auch als präventive Arbeit sollen die Angebote verstanden werden.

Zielgruppe:

Mit diesem Angebot wird versucht, wie im 11 des KJHG aufgeführt, „jungen Menschen ein zur Förderung ihrer Entwicklung erforderliches Angebot zur Verfügung zu stellen“. Dabei wenden wir uns an Kinder und Jugendliche. Hierbei gibt es keine Eingrenzung auf Konfessionen oder kulturelle Besonderheiten. Wir hoffen, damit frühzeitig etwas zur Verbesserung von sozialen Lebenschancen junger Menschen im ländlichen Lebensraum beitragen zu können.

Ziele der Projektarbeit:

Aufgrund der oben skizzierten Lage brauchen Kinder und Jugendliche neben Elternhaus, Schule und dem traditionellen Freizeitbereich verstärkt außerschulische Angebote, die Hilfs- und Stützungsfunktionen darstellen bei der Entwicklung und Erprobung von Fähigkeiten, Fertigkeiten,Orientierungen und Handlungsmustern. Die Angebote sollen einen Beitrag leisten zur Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung, junge Menschen in ihren Suchprozessen und ihrer Lebensbewältigung unterstützen.

Ortsansässige, auf ihren Nahraum bezogene, lebensweltorientierte außerschulische Angebote sind als wichtige Sozialisationsfelder in strukturschwachen Regionen für Kinder und Jugendliche wichtig.

Mit dem geplanten Projekt beabsichtigen wir junge Menschen im Bereich ihrer sozialen, kognitiven und kulturellen Kompetenz zu fördern.
Sie sollen sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und lernen, soziales Handeln für sich und die Umwelt auszuprobieren und einzuüben.
Gemeinschaftserlebnisse und solidarisches Handeln sollen der gesellschaftlichen Tendenz zur Individualisierung entgegenwirken.

Mit kreativen und medienpädagogischen Angebotsformen soll der Entwicklung von konsumorientierten Verhaltensmustern durch anders geprägte Erfahrungen entgegengewirkt werden. Der Förderung des Selbstwertgefühles und der Selbständigkeit kommt eine wichtige Bedeutung zu.

Angebotsformen:

Bedingt durch die nicht geringe Größe der Verbandsgemeinde mit mehreren einzelnen Ortschaften erfordert dies mobile Projektangebote. Im Vordergrund stehen folgende Schwerpunkte:

a) Kinder: In Form von Kindernachmittagen, Tagesveranstaltungen, Wochenenden, Ferienspaßtagen, Freizeiten, Projekttagen, etc. sollen neben freizeitpädagogischen auch thematische Angebote zur Auseinandersetzung mit Alltagsthemen befähigen wie z. B. zu Themenbereichen : / – Ökologie und Umwelt / – Eine Welt / – Mein Lebensraum / – Medien / – Selbsterfahrung, Rollen
Kulturpädagogische Elemente aus den Bereichen : / – Zirkus / – Theater / – Gestaltung sollen spezifische Bedürfnisse und Fähigkeiten aufgreifen, um gleichzeitig einen hohen Anreiz zur Auseinandersetzung und zum Mitmachen zu schaffen.Nicht kognitives Lernen, sondern die Chance zu ganzheitlichen und sinnlich wahrnehmbaren Erlebnissen stehen dabei im Vordergrund.

b) Jugendliche: Die Veranstaltungsformen müssen im stärkeren Maße als bei Kindern Freizeitbedürfnisse und freies Zeitbudget der Zielgruppe berücksichtigen. Mit Jugendtreffangeboten und daraus sich entwickelnden Abendangeboten, Wochenendmaßnahmen, Aktionen, Freizeiten, etc. sollen Geselligkeits- und Gruppenbedürfnisse aufgegriffen werden, die aber auch Selbsttätigkeit schaffen und fördern soll. Jugendliche sollen motiviert werden selbst aktiv zu sein und sollen über die Organisation von Jugendveranstaltungen mit in die Veranwortung, Planung und Durchführung genommen werden.
Der Einsatz und die Arbeit mit verschiedenen Medien können z.B. so Anlaß und Inhalt pädagogischer Auseinandersetzung werden: / – eine Fotoaustellung (zu Dorfalltag, Freizeit,etc.) vorbereiten / – eine eigene Zeitung machen / – Filmwoche(zu Themen wie Gewalt,Drogen,Zukunft,…) durchführen / – Videofilm/Videoclip entwickeln, drehen und senden / – Radiobeitrag ausarbeiten und senden.
Aber auch erlebnis- und abenteuerbetonte Formen wie : / – Zeltlager / – Wander/Klettertouren / – Kanufahrten / – Rad/Mountainbiketouren sollen als gemeinsame Aktion Erfolgs- und Gruppenerlebnisse fördern, und somit das Vertrauen und den Rückhalt in Gruppe stärken.

Aufgaben der Fachkraft:

Die Aufgaben der pädagogischen Fachkraft liegen in der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung der verschiedenen Zielgruppenangebote sowie in der Durchführung.
Längerfristiges Ziel soll es sein ehrenamtliche MitarbeiterInnen zu unterstützen und zu befähigen, daß diese weitgehend eigenständig für Kinder und Jugendliche Angebote entwickeln, mitarbeiten und praktisch umsetzen können. Daraus ergeben sich für die Fachkraft neue Koordinationsaufgaben unter allen zu beteiligenden Ehrenamtlichen. Weiterhin soll für einen Erfahrungsaustausch gesorgt werden, Fortbildungsangebote sind anzuregen und selbst eventuell durchzuführen.
Da Umfang des Einsatzgebietes und Projektarbeit nicht geringe Anforderungen an die Fachkraft stellen, sowie eine Kontinuität als AnsprechpartnerIn für Klientel und ehrenamtliche MitarbeiterInnen gewährleistet sein muß, sind diese Aufgabenbereiche nur durch eine hauptamtliche MitarbeiterIn und nicht durch Honorarkräfte zu leisten.

Einsatzorte:

Da keine hauptamtlichen JugendpflegerInnen im Bereich der Verbandsgemeinde tätig sind, werden hier in diesem Bereich die Angebote von evangelisch kirchengemeindlicher Trägerschaft übernommen. Aufgrund geringer oder fehlender räumlicher Gegebenheiten (Gemeindehäuser, Bürgerhäuser, etc.) und um die Realisierung der Angebote ersteinmal sicherzustellen, ist dem Träger wichtig sich in der Anfangsphase überschaubar auf regionale Schwerpunkte trotz der zahlreichen Ortsteile zu konzentrieren. Dennoch ist die Stelle überregional ausgerichtet.
Dabei sind zentrale Angebote in den Hauptorten der Gemeinden vorgesehen, wie darüber hinaus regelmäßige mobile Angebote in den verschiedene Randgemeinden.

Träger:

Die Evangelischen Südgemeinden im Kirchenkreis Koblenz sind Träger dieser Arbeit. Sie geschieht gem. 74 KJHG als freiwillige Tätigkeit auf dem Gebiet der Jugendhilfe. Die Evangelischen Kirchengemeinden sind bereit mit erheblichen Eigenmitteln dieses Projekt zu realisieren. Die fachliche Betreuung und Begleitung der Projektarbeit ist durch das Evangelische Jugendreferat des Kirchenkreises Koblenz kontinuierlich gewährleistet. Der Charakter der Projektstelle beinhaltet im wesentlichen nicht die Stärkung innerverbandlicher bestehender Arbeit, sondern zielt auf eine breite Kooperation mit Vereinen, Verbänden, Kirchen und deren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, um somit vernetzende Funktionen auch ausüben zu können.

Die Arbeit steht auf der Basis des Evangeliums. Sie geschieht um der Kinder und Jugendlichen willen. Sie gründet sich auf der Erfahrung des Konziliaren Prozesses in den Themen „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.

1. Juli 1994, (Vers-20031020-ß-)
Albrecht Birx, Synodal-Jugendreferent im Kirchenkreis Koblenz